Digitalisierung in der Gebäudetechnik

Am 17. Mai fand in der Helmut-List-Halle in Graz das Siemens-Digitalisierungsforum der Division Building Technologies statt. Neben spannenden Fachvorträgen zu Themen wie der Energiewende und Building Information Modeling (BIM) – ein digital unterstützter Prozess zum Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden, war insbesondere die Besichtigung des 13. Stockwerkes des 60 Meter hohen Science Towers das Highlight des Tages. Der sich in Fertigstellung befindende »Leuchtturm« wird von SFL technologies errichtet und ist das Leitprojekt der Smart City Graz. Der Turm soll ein Bürogebäude werden, auf dessen Dach auch Platz für Smart Urban Gardening sein wird.

ELI ist ein Elektronutzfahrzeug, das von SFL technologies entwickelt wurde. Diese Fahrzeuge können an und durch den Science Tower geladen werden.Der Science Tower steht für eine Energieglas-Fassade, Erdwärmesonden, LED-Beleuchtung und Elektromobilität. Energieglas, das Teil der Außenfassade des Turms ist, ermöglicht es, dass (Sonnen-)Licht in elektrische Energie umgewandelt wird. Über 16 Erdwärmesonden mit 200 m Tiefe wird der Science Tower mit Wärme und Kälte versorgt. LED-Leuchten werden hier vor allem aus Gründen der Energieeffizienz eingesetzt, da sie bei geringem Stromverbrauch viel Licht abgeben. Auch auf Elektromobilität wird beim Leuchtturm der Smart City Graz gesetzt. So ist es möglich, dass Elektronutzfahrzeuge am und durch den Science Tower geladen werden. ELI ist zum Beispiel ein derartiger urbaner Kleintransporter und fahrbarer Speicher, der von SFL technologies entwickelt wurde. Die Reichweite dieses Elektrotransporters liegt im durchschnittlichen Einsatz sogar bei 110 km.

Smart Urban Gardening
Der bereits erwähnte Dachgarten befindet sich in den oberen Geschoßen des Turms. Durch die Fassade und das Glasdach wird ein Glashaus gebildet, das über ein eigenes warmes Kleinklima verfügt. Eine verlängerte Vegetationsperiode für die Nutzpflanzen ist das Ergebnis. So sind mehrmalige Ernten pro Jahr und auch der Anbau von Südfrüchten, wie zum Beispiel Bananen, möglich.

Gebäudetechnik und Digitalisierung
Um in Zukunft Bauprojekte wie den Science Tower bestmöglich umsetzen zu können, fordert DI Wolfgang Hass, CTO – Innovationsmanagement, Siemens Schweiz, in seiner Rede im Zuge des Digitalisierungsforums: „Die neue Zusammenarbeit ist ein wichtiges Thema. Eine vernünftige Planung heißt nicht, dass jedes Gewerk für sich optimal geplant wurde, sondern, dass die Gesamtplanung optimal ist.“ Hass fordert also die koordinierte Zusammenarbeit der verschiedenen Gewerke, die an der Herstellung eines Gebäudes beteiligt sind. Über BIM, das bereits heute ein wichtiger Bestandteil der Gebäudeindustrie ist, soll es möglich sein, in Zukunft zu einem bestmöglichen Ergebnis zu gelangen.

DI Wolfgang Hass, CTO – Innovationsmanagement, Siemens Schweiz, erklärte im Zuge des Digitalisierungsforums welche Bedeutung BIM (Building Information Modeling) in Zukunft für die Bauindustrie haben wird.„BIM bedeutet zwei Mal bauen“, erklärt Hass. Das Gebäude wird zwei Mal gebaut – einmal virtuell und einmal physikalisch. Ein sogenannter digitaler Zwilling wird erstellt. Bei der virtuellen Planung wird das Gebäude komplett geplant, simuliert und getestet. Ist diese Planung gut, wird mit dem Bau begonnen. BIM wird daher auch als Synonym für die Digitalisierung in der Bauindustrie verstanden. Laut Hass ist BIM vor allem eine Prozessveränderung und nicht nur eine Erweiterung.

Anmerkung der Redaktion: Nach diesem spannenden Einblick in die Zukunft der Gebäudeindustrie bleibt abzuwarten, ob sie den Forderungen von DI Hass nachkommen wird und in welche Richtung sich Gebäude tatsächlich entwickeln werden. Eines wurde aber auf dem Digitalisierungsforum einmal mehr bewusst gemacht: Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten und macht gerade vor der Gebäudeindustrie nicht halt.

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