„Der Schaltschrankbau ist die größte Abteilung des Unternehmens compact electric, als Qualitätsanbieter bedienen wir verschiedene Marktsegmente des Verteilerbaus“, Mag. Ulrike Haslauer, Geschäftsführerin von compact electric. (Bild: www.i-magazin.com)

Das Interview mit der Geschäftsführerin von compact electric:

Die »Schaltschrankbäuerin«

Wundern Sie sich gerade über den Titel – oder kennen Sie sie bereits? Was eine »Weiberwirtschaft« tatsächlich bedeutet und wo diese hinführen kann, zeigt das Familienunternehmen compact electric auf exemplarische Art und Weise – lesen Sie selbst!

Interview: Thomas Graf-Zoufal

Text: Mag. Sandra Eisner

Mag. Ulrike Haslauer heißt sie, die charismatische Schaltschrankbäuerin und Geschäftsführerin von compact electric. Der Wiener Familienbetrieb mit 50-jähriger Erfahrung fokussiert sich neben dem Anlagenbau mit individuellen Industrie-Schaltschränken sowie der Forschungs- und Entwicklungsarbeit auch auf Kennzeichnungslösungen und Arbeitssicherheitsprodukte. Mit internationalem Erfolg – so wurde zum Beispiel beim Bau des zweitgrößten Wasserkraftwerks der Welt in Venezuela mitgewirkt, aber auch »vor Ort« stehen individuelle Lösungen stets im Vordergrund, so finden sich die Verteilerschränke des Profis etwa in der Wiener Hofburg, der Münze Wien sowie im Hotel Sacher. Vor dem i-Magazin-Mikro rekapitulierte die Schaltschrankbäuerin die Entwicklungsschritte des erfolgreichen Familienbetriebs.

Frau Haslauer, Sie bezeichnen sich selbst als »Schaltschrankbäuerin«. Dient dieser Ausdruck als Alleinstellungsmerkmal – in einer Branche, in der der männliche Anteil zweifelsohne überwiegt?

Ulrike Haslauer: Der Begriff an sich vereint für mich sowohl die schöpferische Kraft als auch den Traditionsgedanken. Die Reaktionen darauf sind immer recht amüsant, ich habe diese Bezeichnung und den damit verbundenen Umstand allerdings nie als Alleinstellungsmerkmal betrachtet, ganz im Gegenteil, es zählen Leistung, natürlich der Preis, Engagement, Qualität und Flexibilität. Ohne dieses Werteverständnis gäbe es nicht die Erfolge unseres Unternehmens – egal ob eine Frau oder ein Mann an der Spitze steht. Aber natürlich wird oft nicht mit einer Frau speziell im Einkaufsbereich dieser Branche gerechnet.

Entspricht Ihr beruflicher Werdegang Ihrem Wunschziel?

Haslauer: Grundsätzlich ja. Als ich 16 Jahre alt war, übernahm mein Vater die Firma vom Vorbesitzer. Mein Plan sah damals vor, Betriebswirtschaft zu studieren, eine elektrotechnische Ausbildung zu machen und das Unternehmen schließlich später zu übernehmen. So trat ich 1987 als Werksstudentin in die Firma ein. Nach dem plötzlichen und tragischen Tod meines Vaters im Jahr 1989 übernahm ich gemeinsam mit meiner Mutter die Firmenleitung. Seit 2004 habe ich die Geschäftsführung inne und bin somit seit insgesamt 30 Jahren Schaltschrankbäuerin.

Was bietet compact electric den Kunden?

Haslauer: Das Unternehmen ist in drei Geschäftsbereiche gegliedert: Der Handelswarenbereich widmet sich vor allem dem Thema Arbeitssicherheit – Lockout-Tagout etwa sind versperrbare Systeme, die dem Arbeitsschutz im Rahmen eines Wartungsvorgangs dienen. In der Entwicklungselektronikabteilung fertigen wir qualitativ hochwertig kundenspezifische Sonderlösungen in Klein- und Großserien, etwa Energieversorgungsprodukte mit Messrelais oder Spannungsüberwachungsrelais für PV-Anlagen. Der Schaltschrankbau ist die größte Abteilung des Unternehmens, hier bedienen wir als Qualitätsanbieter verschiedene Marktsegmente des Verteilerbaus: zum Beispiel den Heizungs-, Lüftungs-, Klimatisierungsbereich, doch auch im Industrieanlagenbau sind wir bei internationalen Projekten tätig (Wasserkraftwerksbau) sowie im Bereich Tunnellüftung.

Nach der ersten »Welle« an Konkursen vor einigen Jahren gehen viele Brancheninsider von einer weiteren im Rahmen der Digitalisierung aus. Wie stehen Sie dazu?

Haslauer: Ich glaube, dass es wirklich fatal sein kann, wenn man sich den zukünftigen Methoden der Fertigung verschließt. Man muss sich noch exakter aufstellen, ich selbst bin Perfektionistin in Sachen Ablaufgestaltung. Wir haben deshalb unter anderem Smart Wiring bei uns eingeführt, außerdem diverse Förderprogramme der Stadt Wien in puncto Digitalisierung genutzt – auch für technisches Equipment.

Werden Metallarbeiten bei Ihnen im Unternehmen selbst durchgeführt oder kaufen Sie hier zu?

Haslauer: Die Planung, Projektierung im Schaltschrankbau erfolgt bei uns mithilfe von Eplan. Entsprechend den Kundewünschen gibt es Stücklisten, die generiert werden und nach denen eingekauft wird – wir kaufen das komplette Material zu, die Stromlaufpläne kommen als Fertigungsunterlage in den Anlagenbau. Der Produktionsablauf ist optimal organisiert, sodass die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht. Wir bearbeiten die Gehäuse selbst mithilfe einer »Perforex«, schicken die Daten vom CAD direkt an die Fräse und haben im Vorfeld durch die 3D-Planung eine Kabelkonfektionierung für ein Feld bei Losgröße 1. Der Mitarbeiter bekommt den Kabelstrang fixfertig mit Aderendhülsen versehen und mit der Kabelkennzeichnung.

Wie stehen Sie zum Thema Messtechnik? Dieser Bereich wird angesichts gewaltiger Verlustleistungen oft unterschätzt: In Zeiten von Energieoptimierung gibt es trotz allem noch Verluststromentwicklungen von 30 bis 35 %.

Haslauer: Die Verlustleistungsberechnung nimmt immer mehr an Bedeutung zu – die Energieversorger müssen sich für die Zukunft rüsten. Durch die Digitalisierung haben wir eine Zunahme am Energieverbrauch von circa 60 bis 70 % in fünf bis sechs Jahren – das erfordert eine konkrete, zielgerichtete Vorbereitung im Vorfeld.

Wenn im Anlagenbau der Errichter gleichzeitig auch Betreiber ist, wird er in diesem Fall bestimmt ein großes Interesse daran haben, den Energieverbrauch möglichst effizient und kostengünstig zu gestalten. Eine dementsprechende Beratung vorab ist sicherlich eine Herausforderung…

Haslauer: Es kommt immer auf das Projekt an und in welchem Status ich als Schaltschrankbäuerin stehe. Habe ich einen direkten Zugang, mache ich auch die Gebäudeautomatisierung, die Software dazu, dann habe ich als Unternehmen natürlich einen anderen Status. Wir als compact electric bauen zu 90 % die Verteilerschränke, sprich die technische Hardware als grundausstattungstechnisches Equipment für Regeltechnikhäuser beispielsweise, so gibt es keinen Zugang zur Beratungs- und Energieeffizienz. Grundsätzlich wäre unser Fachwissen hier sicherlich von großem Stellenwert, man fragt uns jedoch nicht.

Wie kommen in Sie in Zeiten des Fachkräftemangels speziell in Wien zu jungen, engagierten Mitarbeitern?

Haslauer: Es ist nicht einfach, als Unternehmen man muss sehr attraktiv wirken. Ich denke, dass wir mit unserer Struktur als Familienbetrieb gut punkten können, die Nähe zu und die Vertrautheit mit den Mitarbeitern ist mir persönlich ein großes Anliegen. Miteinander, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, steht auch bei jungen Leuten, die es schätzen, einen Weg vorgegeben zu bekommen, hoch im Kurs.

Frau Haslauer, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen auf: www.compactelectric.at

Entgeltliche Einschaltung

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