Die LTG beginnt mit einer umfassenden Seminaroffensive

Öffentliche Beleuchtung wird auch gerne als die Visitenkarte bei Nacht bezeichnet, da sie die Gelegenheit bietet, Straßenzüge in spektakulärem Licht erstrahlen zu lassen und nicht nur Sicherheitsaspekten dient. Im Kleingedruckten dieses »einleuchtenden« Einleitungssatzes steht jedoch eine Menge Arbeit und Planung für die Verantwortlichen im Hintergrund. Durch die LED-Technik haben sich in nur wenigen Jahren eine Vielzahl neuer Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise bei der Steuerung, ergeben. Zudem steht die Umsetzung einer EU-Verordnung vor der Tür, wonach in absehbarer Zeit etliche, als veraltet zu bezeichnende, Lichtquellen ausgetauscht werden müssen. Der Arbeitskreis »öffentliche Beleuchtung« geleitet von Dr. Nikolaus Thiemann, veranstaltete aus diesem Grund ein Seminar mit dem Titel »Die richtige Leuchte in der Straßenbeleuchtung«, um auf viele dieser Probleme einzugehen. Das Thema war offensichtlich gut gewählt, denn das Interesse war groß, was auch daran abzusehen war, dass nicht nur die »üblichen Verdächtigen« aus der Branche anwesend waren, sondern auch Gemeindevertreter und Bürgermeister, die sich mit der Materie aus gegebenen Anlass beschäftigen müssen.

Nach den Begrüßungsworten von Peter Seibert, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der LTG, bekräftigte Ing. Roland Zwazl, ebenfalls Mitglied des Vorstands der LTG, dass man heute nicht mehr um die LED-Technologie herumkommt, wenn man von Straßenbeleuchtung spricht. Das ist aus seiner Sicht auch die richtige Entwicklung, wobei er auf die umfangreiche Erfahrung der EVN verweist, die von 70.000 betriebenen Lichtpunkten bereits rund 5.000 auf LED gewechselt hat. Die Vorzüge der LED sind ja hinreichend bekannt, „es gibt jedoch Aspekte, die man nicht außer Acht lassen sollte”, gab Zwazl zu bedenken. Die fehlende Normierung mache etwa die Auswahl der richtigen Leuchte besonders schwer. Außerdem stellt sich für einen Betreiber, aufgrund der schnellen Entwicklung in der LED-Technik, die Frage nach der Beschaffung von Ersatzteilen. „Bei der Kostenberechnung einer Anlage muss der gesamte Lebenszyklus und auch die Nachrüstung und nicht nur der Energiespareffekt und die Anschaffungskosten betrachtet werden”, betonte Zwazl. Auch gebe es zwar so gut wie keine Wartungskosten, dafür aber sehr wohl Reinigungskosten, die beachtet werden müssen. Diesem Aspekt widmet sich beispielsweise die Wiener Magistratsabteilung 33, die ein eigenes Konzept zur Standardisierung der LED-Beleuchtung entwickelte, das Ing. MMag. Gerald Wötzl vorstellte. Dieses sieht einen Standard-Leuchtenkopf vor (der bereits am Wiener Zentralbahnhof zum Einsatz kommt), bei dem das technische Innenleben, mitsamt der LED-Bestückung, als auch die Glasscheibe, mit nur wenigen Handgriffen ausgetauscht werden kann. Bei knapp 150.000 Leuchtpunkten in Wien wird das auch bitter notwendig sein.

So einem Standardisierungsverfahren geht eine Menge Arbeit voraus, die zum Teil im Labor durchgeführt wird. Dennoch sind lichttechnische Prüfungen vor Ort unumgänglich, da die Bedingungen vor Ort anders sein können, wie Dr. Rudolf Hornischer im Detail ausführte.

Bei der LTG stehen nicht nur Vorträge auf dem Programm. Das Stadtpalais Liechtenstein konnte nicht nur auf Power-Point-Präsentationen, sondern auch vor Ort bewundert werden.Licht im historischem Kontext
Einem ganz anderen Thema widmete sich hingegen die Veranstaltung des Arbeitskreises Innenbeleuchtung. Diese stellte aus gegebenem Anlass die Herausforderung der modernen Beleuchtung historischer Gebäude in den Mittelpunkt, die DI Gudrun Schach „als fast schwierigstes Thema für einen Lichtplaner” bezeichnete, da „bei jeder Lichtlösung ein Kompromiss zwischen allen Planungsbeteiligten gefunden werden muss”. Diese Herausforderung hat podpod design offensichtlich herausragend gemeistert, da dem fünfköpfigen Lichtdesigner-Team aus Wien, kürzlich bei der Galanacht des deutschen Lichtdesignpreises in Berlin, gleich drei Preise verliehen wurden. Die beiden Projekte Amalienbad (Kategorie Öffentliche Bereiche – Innenraum) und das Stadtpalais Liechtenstein (Kategorie Museen) wurden mit dem Deutschen Lichtdesignpreis 2014 geehrt. Als Krönung hat podpod design außerdem den Titel des Lichtdesigners des Jahres 2014 verliehen bekommen.

Dementsprechend drehte sich alles um das Palais Liechtenstein. Als Einstimmung referierte Prof. Manfred Wehdorn, vom gleichnamigen Architekturbüro, das die Restaurierung leitete, über die Herausforderungen dieses Mammutprojektes der historischen Gebäuderestauration, und gab dabei einige interessante Details preis. Das Stadtpalais wurde 1711 fertiggestellt und Mitte des 19. Jahrhunderts noch einmal umgebaut. Aus der Zeit des zweiten Umbaus (Umgerechnet ca. 120 Mio. Euro) existierte eine genaue Fotodokumentation aller Räumlichkeiten des Palais, die sich als unschätzbare Vorlage für die detailgenaue Rekonstruktion erwiesen. Die von 2007 bis 2013 dauernden, von der Familie Liechtenstein in Auftrag gegebenen Bauarbeiten (Kostenpunkt 100 Mio. Euro), erwiesen sich als weltweit größte Restauration eines historischen Gebäudes nach Denkmalschutzkriterien. Die Herausforderungen bei der Beleuchtung historischer Objekte ist eine eigene Kunst-Kategorie des Lichtdesigns. Was früher einmal mittels abertausender Kerzen beleuchtet wurde und eine eigene Lichtstimmung schuf, muss heute mittels moderner Lichtlösungen repliziert werden. „Das Schlechteste was man tun kann, ist alles gleichförmig mit einer Lichtsoße zu bestreichen”, bekräftigte Architekt Rudolf Lamprecht. Dazu wurden eigene LED-Kerzen entwickelt, die in Form und Lichtfarbe dem Kerzenschein (bis auf das Flackern natürlich) imitieren und den Original-Kerzen nachempfunden wurden. Zudem galt es nicht nur, die Luster und Kerzenhalter zu bestücken, sondern die Architektur mit ihren Säulen, Prunktreppen, Statuen und Reliefs mittels moderner Beleuchtung gezielt hervorzuheben. Aber nicht nur die Strahler selbst unterzubringen, ist bei historischen Gebäuden eine Wissenschaft für sich. Vor allem die notwendige Verkabelung stellt einen Lichtdesigner aufgrund des Denkmalschutzes vor enorme Herausforderungen. Da Licht aber am besten erlebt werden muss, wurde im Anschluss an die Präsentationen auch eine Führung durch besagtes Stadtpalais angeboten, die die Informationen mit eindrucksvollen Live-Impressionen wohl jedem Teilnehmer im Gedächtnis verankerte.

Mit diesen beiden Veranstaltungen bewies die LTG einmal mehr, dass sie ihren Informationscharakter ernst nimmt. Ein Seminar mit kommunikativem Charakter, bei dem nicht nur die üblichen Lobpreisungen auf LED abgehalten werden, sondern auch auf die Besonderheiten eingegangen wird und eine Exkursion, die die Teilnehmer an einem spektakulären Projekt mit eigenen Augen teilhaben lässt – davon bitte in Zukunft mehr!

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