Die Innungskolumne im November 2011

Nein, er hat bis heute nicht jenes Ziel erreicht, das er sich vorgenommen hat und deshalb ist er verzweifelt. Warum? Ich wollte die österreichische Elektrotechnik und ihre Ausführungen an die Spitze Europas bringen. Man sollte von der österreichischen Qualität und ihrer Zuverlässigkeit, in ganz Europa, und wenn es leicht geht, auf der ganzen Welt, reden. Das ist auch seit Beginn meiner Berufstätigkeit eines meiner wichtigsten Ziele gewesen. In meiner Firma habe ich das gemeinsam mit meinen Töchtern und mit meinen Mitarbeitern fast erreicht. Aber bei meinen österreichischen Kammermitgliedern wird die Qualität und Ausführung von Monat zu Monat, vor allem in Ballungszentren und Großbaustellen, immer schlechter!

Kaum eine große Baustelle entspricht den Normen und Verordnungen. Die Sicherheitsstandards werden reihenweise unterschritten.

Wofür arbeite ich mit meinem Team überhaupt? Wenn sich lediglich 30–40% aller österreichischen Elektrotechniker an Vorschriften halten und wissen, nach welchen Normen und Verordnungen sie eigentlich arbeiten müssen und was sie danach selbst positiv befunden dürfen!

Ist jenen, die unter die 60–70% Pfuscher fallen eigentlich klar, was sie anstellen? Ist ihnen klar, dass sie mit ihrem Pfusch auch noch die restlichen Guten in den Abgrund reißen?
Es ist schon richtig, dass um die zurzeit abgegebenen Preise gar nicht mehr gearbeitet werden dürfte, aber warum tut ihr das? Drei Großkonkurse in drei Monaten, drei Katastrophen-Großbaustellen, die kaum mehr zu reparieren sind. Fehler, die mir und meinen Funktionären im Traum nicht einfallen könnten. Das alles und vieles mehr bewegte mich zu diesen Zeilen.
Wenn wir so weitermachen, so werden wir in absehbarer Zeit nur noch die Lehmhütten in Afrika installieren dürfen. Aber ob wir die auch noch selbst befunden dürfen, steht noch infrage. Wenn sich hier nicht schnell etwas ändert, wird es eine meiner letzten Tätigkeiten u. Ziele sein, den EU-Zertifizierungswahn nicht aufzuhalten, sondern zu bestärken. Ich werde dann den Zertifizierungen nicht ­­­ent­­­­gegen-
wirken, ja ich werde dafür sogar sorgen, dass nur die besten unter euch, nämlich die derzeitigen 30–40% jene Arbeiten der zurzeit Pfuschenden überprüfen und abnehmen, bzw. befunden.

Damit würde es zu Elektrikern der 1. u. 2. Klasse kommen. Dann können die »Zweitklassler« ihre Arbeitszeit herschenken, die Qualität wird aber trotzdem stimmen müssen. Denn sonst gibt es kein Geld für eure Arbeit! Wollen wir das?

Euer frustrierter

Joe

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