Im April 2017 siedelte Kess nach Horn um und hat hier nun Büro- und Lagerräumlichkeiten vereint. (Bild: Kess)

Das Interview mit dem Gesellschafter von Kess:

„Die eigens produzierte Energie ist am wertvollsten!“

Viele hegen ihn: den Wunsch eines unabhängigen, ja autarken Lebens mit eigens produzierter Energie… Bloß ein Tagtraum oder doch bald (leistbare) Realität? Die Anforderungen an die Stromversorgung steigen kontinuierlich – zuverlässige Lösungen sind gefragt. Ist Energiespeicherung hierbei die (richtige) Antwort?

Interview und Text: Mag. Sandra Eisner

Seit mehr als 30 Jahren widmet sich Kess Power Solutions – wie der Name bereits vermuten lässt –  Lösungsansätzen rund um die sichere Stromversorgung. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind in diesem Zusammenhang mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Nun bringt das Traditionsunternehmen ein neues unterbrechungsfreies Stromspeichersystem auf den österreichischen Markt: batterX kombiniert USV, Energiespeicher und alternative Energieerzeugung auf einzigartige Weise. Wie? Das erklärte uns Georg Frühwirth, MSc, Gesellschafter von Kess, in einem aufschlussreichen Gespräch über die Kapazität von Energiespeicher und die Herausforderungen an die Stromversorgung.

Im April des vergangenen Jahres ist Kess nach Horn im Waldviertel (Niederösterreich) übersiedelt. Aus welchen Gründen wurde dieser Standort gewählt?

Georg Frühwirth, MSc, Gesellschafter von Kess: „Wir sind aktiv auf der Suche nach Installationspartnern und Wiederverkaufspartnern, die von uns geschult und zertifiziert werden.“

Georg Frühwirth: In Wien, wo sich noch immer der Firmensitz befindet, war die Situation diese, dass das Unternehmen in einem Mehrparteienhaus eingemietet war. Das Lager befand sich allerdings südlich von Wien (Wiener Neudorf). Der Hauptgrund für den örtlichen Wechsel war der Wunsch nach einer Zusammenlegung von Büro und Lagerräumlichkeiten. Da die meisten unserer Mitarbeiter gebürtige Waldviertler sind, hat sich diese Richtung schnell abgezeichnet. Der Sitz der Geschäftsleitung ist nach wie vor in Wien, die »Musik« spielt allerdings in Horn.

Im Waldviertel gab es vor einigen Jahren einen derart intensiven Wintereinbruch, wodurch zahlreiche Orte tagelang vom Stromnetz abgeschnitten waren. Dieses Beispiel hat die dramatischen Ausmaße eines Stromausfalles gezeigt. Welche Lösungen bietet Kess hierzu?

Frühwirth: Wir haben die extremen Auswirkungen dieses Stromausfalls miterlebt und dadurch auch viele Kontakte geknüpft. Kess bietet klassische USV-Lösungen, die die Verfügbarkeit hochhalten, die Versorgungssicherheit für kurzfristige Ausfälle bzw. Störungen. Möchte man über mehrere Tage autonom sein, muss eine sinnvolle Kombination mit einem Dieselaggregat erfolgen. Es gibt auch neue Richtungen, die Alternativenergien einbinden (PV, Blockheizkraftwerke) – dies muss allerdings gut koordiniert und abgestimmt werden.

Wie lange kann ein durchschnittliches Einfamilienhaus einen Stromausfall überdauern?

Frühwirth: Das hängt von mehreren Faktoren ab: beispielsweise von der Größe der Speicher oder vom Sonnenstand, wenn man eine PV-Anlage hat. Es kommt auf das investierte Geld und auf die Lösung an – dazu muss man sich vorab darüber im Klaren sein, was man will: Möchte man notdürftig über die Nacht kommen oder zur Not »normal« weiterleben? Es ist kein Problem, ein paar Tage zu schaffen, es kostet einfach Geld.

Hat Ihr Energiespeichersystem batterX eine Intelligenz, die im Ernstfall erkennt, welche Basisfunktionen (Heizung etc.) aufrechtzuerhalten sind?

Frühwirth: Es verfügt über einen Photovoltaikwechselrichter mit einem Speicher und dezidierter USV-Funktion. Es muss also so aufbereitet werden, dass die »wichtigen« Verbraucher, Komponenten, Steuerungen elektrotechnisch zusammengefasst werden und dann können sie am USV-Ausgang versorgt werden, sie sind geschützt. In weiterer Folge können zusätzlich über Kontakte gewisse Regelungen getroffen werden, aber grundsätzlich ist vorher zu überlegen, was schützenswert und wichtig erscheint, um dies bei der Lösung elektrotechnisch umzusetzen.

Durch die Kopplung des Systems mit PV – was passiert im Winter? Wird der Speicher über das Netz aufgeladen, sodass er immer voll ist?

Frühwirth: Wenn Sie das möchten, ja. batterX unterscheidet sich in eine Home-Serie als unterbrechungsfreies Stromspeichersystem für Zuhause, wobei die Solarenergie als primäre Stromquelle genutzt wird und die Batterien lädt. Eine stabile Stromversorgung der elektrischen Verbraucher wird so mit moderner USV-Technologie gewährleistet. Die Solar-USV-Lösung batterX Business richtet sich etwa an mittelständische Gewerbebetriebe und Industrieanlagen mit Photovoltaik-Anlagen. Im Falle eines Stromausfalles werden kritische Lasten mit 100 % erneuerbarer Energie versorgt. PV-Stromüberschüsse werden in Batterien der batterX gespeichert. Strom aus dem Netzbetrieb wird nur benötigt, wenn der Energiespeicher oder die alternativen Energien nicht ausreichen.

Das unterbrechungsfreie Stromspeichersystem batterX sichert die angeschlossenen Verbraucher mit 100 % autarker Energie ab. (Bild: Kess)

Wohin wendet sich der Konsument – an den Elektriker, Kess oder den Großhandel?

Frühwirth: Teilweise an alle, wir stehen hier noch am Beginn. Wir suchen den Weg über Partner, weil Kess als Unternehmen aus dem USV-Bereich kommt, wir werden also nicht die Installation beim Endkunden vornehmen. Wir sind aktiv auf der Suche nach Installationspartnern (Photovoltaikfirmen) und Wiederverkaufspartnern, die von uns geschult und zertifiziert werden. Sie sind diejenigen, die das Produkt am Markt verkaufen und platzieren sollen. Wir suchen die Multiplikatoren für den Markt, für den Consumer-Bereich.

Gibt es einen Wartungsvertrag? Wie gestaltet sich dies bei Kunden, die weit weg wohnen?

Frühwirth: Für die batterX-Home-Serie nicht, die Wartung oder die Prüfungen werden die Partner/Elektriker vornehmen, die beim Endkunden vor Ort sind. Bei der Business-Serie oder den klassischen USV-Anlagen gibt es Wartungsverträge, die wir selbst durchführen.

Welche Serviceleistungen bieten Sie an bzw. wie gestaltet sich der Serviceaufwand?

Frühwirth: Bei den USV-Systemen oder den Business-Serie-Anwendungen, wo es um Verfügbarkeit geht für den B-to-B-Bereich, ist mittlerweile sehr gut angekommen, dass Service notwendig ist, es ist in den letzten Jahren ein Bewusstsein dafür entstanden. Auch aus Gründen der eigenen Absicherung ist es Usus, Service oder jährliche Wartungen durchzuführen. Bei den Endkunden halten die Elektriker (Partner) Kontakt bzgl. des Services.

Durch unser neues Magazin eCarAndBike stoßen wir in Foren immer wieder auf die Thematik, das Elektroauto (zukünftig) mit der eigenen PV zu laden? Was ist Ihre Meinung dazu?

Frühwirth: Alles, was ich selbst produziere an Energie, ist wertvoll und auch am meisten wert. Dieses Thema wird immer präsenter, wobei es gar nicht so sehr um die Kosten geht, sondern eher um Organisatorisches, weil eine Infrastruktur für z.B  50 Firmenautos kann nicht so einfach technisch und logistisch aufbereitet werden. Da kommt ein großer Punkt auf viele Unternehmen zu. Privat macht es durchaus Sinn, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Was weniger sinnvoll sein wird, ist, einen Speicher tagsüber zu laden und nachts in das Auto reinzuladen. Aufgrund der notwendigen Speichergröße für das Auto wäre das zu teuer. Die größte Thematik bei der Elektromobilität wird die Energieversorgung sein und zwar genau jener Punkt der gleichzeitigen Mehrfachladung. Es wird in jeder Siedlung oder in jedem Dorf das Problem geben, nicht genügend Energie kurzfristig dorthin bringen zu können. Hierbei kann der Speicher durchaus ein Thema sein, der für Flexibilität sorgt. Und sollte die Energieversorgung schlechter werden oder fehleranfälliger, dann wird der Speicher für den Privathaushalt sicher zu einem noch größeren Thema werden.

Herr Frühwirth, vielen Dank für das Gespräch!

www.kess.at


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