Die Bundesinnungsausschuss-Sitzung tagte in Innsbruck

Die gute Nachricht ist: „Wir hatten einmal mehr ein Wunderteam bei den WorldSkills am Start”, freute sich Bundesinnungsmeister Ing. Joe Witke anlässlich der Bundesinnungsausschuss-Sitzung (BIAS) in Innsbruck (Zum ansehen des Videos hier klicken: Teil 1, Teil 2) über die Ergebnisse der österreichischen Teilnehmer. Trotzdem lässt das Ansehen des Berufsstandes oder genauer gesagt des Lehrberufs zu wünschen übrig – die Zahlen sprechen Bände: In beinahe allen Bundesländern gibt es einen Rückgang an Lehrlingen – 7% sind es etwa in Niederösterreich. Die Kommunikationselektroniker mit nur ein bis zehn Lehrlingen pro Jahr in Wien und NÖ haben große Nachwuchssorgen. Und das obwohl die Elektrotechniker mit Christian Bräuer einen Lehrlingsbeauftragten in den eigenen Reihen haben, der sich für die Belange der Jugendlichen einsetzt wie kaum ein anderer. Grund genug für alle Landes- und die Bundesinnung, Bräuer als Ersten der Branche die Goldene Ehrennadel für seine Leistungen in der Lehrlingsarbeit zu verleihen. Trotz der Erfolge bei den letzten internationalen Bewerben sieht die Bundesinnung dringenden Handlungsbedarf, um den Lehrberufen der Branche mehr Attraktivität zu verleihen und sie gegenüber anderen Ausbildungen begehrlicher zu machen. Darüber hinaus setzt sich die geplante Werbe- und Kommunikations-Kampagne das Ziel, den Berufsstand allgemein aufzuwerten: Michael Scherr – Kreativdirektor bei der Werbeagentur deutschcom – präsentierte im Rahmen der BIAS seine Arbeit und machte mit klaren Worten deutlich, welchem Beruf die Zukunft gehört: „Der Fortschritt in der Zukunft basiert zu einem Großteil auf der Elektrotechnik. Auf keinem anderen Gebiet wird sich in den kommenden Jahrzehnten so viel tun”, bestätigte auch der Werbeprofi die ohnehin vorherrschende Meinung der Anwesenden. Das von Scherr vorgestellte Konzept wurde von allen Landesinnungen als schlüssig befunden und einstimmig angenommen. Darüber hinaus soll ein »Foto-Pool« mit Bilder aus der Branche eingerichtet werden, der von allen Landesinnungen – z. B. für Aussendungen oder Ähnlichem – genutzt werden kann. Die Inhalte dazu liefert ein Profi-Fotograf. Wenn es um Werbung und Kommunikation geht, dürfen in der heutigen Zeit aber auch Videos nicht fehlen – also lässt die Innung derzeit insgesamt sechs Filme drehen (der erste davon ist bereits auf www.i-magazin.at bzw. auf dem YouTube-Kanal der Innung zu sehen), die dazu beitragen sollen, das Image zu heben.

e-Marke auf der Überholspur

Mag. Gottfried Rotter, der im ablaufenden Jahr in den Seminaren und Vorträgen der e-Marke insgesamt 1.286 Kollegen begrüßen durfte, berichtete über die Aktivitäten der Gruppe und verkündete: „Die e-Marke wird neben den großen Messen 2013 auch auf Bürgerinformations-Veranstaltungen präsent sein und damit einen weiteren Schritt auf die Konsumenten zugehen.” Rotter berichtete darüber hinaus von einem geplanten Kooperationsvertrag mit der AAE – der Alpe Austria Energie – um einen österreichweit einheitlichen und gleichzeitig für die Konsumenten lukrativen Einspeisetarif für Strom aus der hauseigenen Photovoltaik-Anlage zu gewährleisten. Rotter, der auch als Geschäftsführer der EDS fungiert, machte vor den Landesinnungsvertretern Werbung in eigener Sache – so kündigte er für den Jänner LBHT09-Vorträge an und freute sich über die Kooperation mit den Großhandelsunternehmen Stara, Limmert und Sonepar. Rotter wies aber auch auf die bis 31. 3. 2013 laufende Aktion der EDS hin: „Bis dahin bieten wir den Innungsmitgliedern Pakete zu Sensationspreisen an.” Der Leiter des Arbeitsausschusses Öffentlichkeitsarbeit berichtete darüber hinaus von einem Serviceangebot für das Internet: „Wir bieten jedem Mitglied die Erstellung und Wartung einer eigenen Homepage an. Die Kosten dafür belaufen sich auf einmalig 490 Euro, monatlich auf 5 Euro und Basissupport-Kosten von 9,90 Euro monatlich (alle Preise netto). Die Betriebe können auf ihrer Website die Inhalte dann natürlich jederzeit selbst ändern.” Last, but not least bekommen Rotter und Brandstätter Verstärkung: Franz Krautgasser wird die EDS künftig als Konsulent im Raum West-Österreich unterstützen.

Von PV-Anlagen, ESV & Co.

Eines der zahlreichen Themen war dann schließlich auch die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen – im Speziellen, muss in nächster Zeit geklärt werden, ob und in welchem Umfang der Handel PV-Anlagen im Rahmen des Nebenrechtes montiert darf. BIM Joe Witke sprach auch das Problem mit den Feuerwehren in manchen Bundesländern an – so soll es beim Brand von Gebäuden mit PV-Anlagen sehr oft zu widersprüchlichen Aussagen gekommen sein. Fakt ist jedoch, dass die Photovoltaik auch die nötige Basis braucht – so meinte Witke im Kreis seiner Kollegen: „Wenn weiter wahllos Strom aus Erneuerbarer Energie eingespeist wird, haben wir bald ein großes technisches Problem im Netz. Dieses gilt es zu lösen, bevor Schlimmeres passiert.” Die PV bringt aber nicht nur neue Chancen, sondern auch die eine oder andere Herausforderung mit sich – so sei jede einzelne Baustelle zu evaluieren (einen Kurs zu machen, reicht alleine nicht aus). „Arbeiten am Dach, ohne entscheidende Maßnahmen zu treffen, hat bei einem Unfall rechtliche Konsequenzen für jeden Unternehmer zur Folge”, betonen die Innungsvertreter und verweisen auf Beispiele.

Die Teilnehmer der BIAS widmeten sich auch dem Thema Elektroschutz-VO: „Sie muss mit 03/2013 in allen Punkten umgesetzt sein”, so die Verantwortlichen. Dazu gibt es ein Merkblatt vom KFE, das darauf hinweist, dass künftig alle Mitarbeiter mit einem transportablen 30 mA FI-Schutzschalter ausgerüstet sein müssen: „Man kann nicht davon ausgehen, dass die Arbeitsbereiche der ArbeitnehmerInnen (für diese ist die ESV zum Schutze verschärft worden) über Steckdosenkreise verfügen, die den neuen Regeln entsprechen”, heißt es weiter. Nur die Überprüfung durch den Elektrotechniker kann hier Klarheit verschaffen.

Neben den Berichten der Arbeitsausschüsse Technik und Normen (Haybäck), Beleuchter und Beschaller (Kränkl), Kommunikationselektroniker (Karall) sowie der Aus- und Weiterbildung (Bertsch, Bräuer) hatte vor allem der Leiter der AA Alarmanlagen Ing. Karl-Heinz Bradavka klare Botschaften. So erinnerte er daran, dass Rauchgas-Warnmelder in den Bauordnungen fast aller Bundesländer vorgeschrieben sind: „Fehlen Melder in der Planung von Projekten, muss man einen schriftlichen Hinweis an den Auftraggeber schicken. Nur so hat man als Elektrounternehmer mit keinen rechtlichen Konsequenzen zu rechnen.” Bradavka sprach auch das Problem an, dass es die Tendenz gibt, Alarmanlagen über sogenannte »Clouds« gehen zu lassen: „Das ist Datenschutzrechtlich bedenklich und wird derzeit geprüft”, so der Experte abschließend.

Am Abend des ersten Tages hatte der Gastgeber der diesjährigen BIAS – Landesinnungsmeister Gerald Prinz und sein Tiroler Team – eine besondere Überraschung parat: So kam zum einen die Wirtschaftslandesrätin von Tirol-Patrizia Zoller-Frischauf, zu Besuch und sprach über die Leistung des Gewerbes in Zeiten von Wirtschaftskrisen und zum anderen marschierte die Musikkapelle und der Schützenverein auf, der zu Ehren von Joe Witke und für Christian Bräuer jeweils einen Salut abfeuerte – eine hohe Würdigung für die beiden Wiener im Land Tirol.
 

ähnliche Beiträge