Wir sprachen mit den beiden Geschäftsführern Christopher (Sohn) und Walter Mennekes über die erfolgreich erschaffene Unternehmenseinheit mitsamt ihren Herausforderungen und Voraussetzungen, über die aktuell und künftig notwendigen Digitalisierungsprozesse sowie über die vielerorts präsente Angst vor einer Rezession in den kommenden Jahren. (Bild: Mennekes)

MMM – Menschen, Marken, Motive, Teil 2: Das i-Magazin-Exklusivinterview mit Christopher und Walter Mennekes:

Der synergetische Weg vom Waffeleisen zum Ladestecker

Unsere Exklusivinterview-Reihe widmet sich in dieser Ausgabe einem Unternehmen, welchem es beispielhaft gelungen ist, durch entsprechende Synergieeffekte einen »Sprung ins Unbekannte« zu meistern. Der Name Mennekes vereint heute den traditionellen Bereich der Elektrotechnik erfolgreich mit dem noch jungen Spektrum der Elektromobilität. Wie es dazu kam, erfahren Sie bei uns!

Interview: Thomas Graf-Zoufal

Text: Mag. Sandra Eisner

Vielleicht liegt das Geheimnis des Erfolges von Mennekes in der Firmenhistorie begründet, vielleicht auch in der gemeinschaftlichen Unternehmenskultur – womöglich ist es aber auch die Kombination aus beiden Aspekten. Fest steht, dass Mennekes früh und initiativ gehandelt hat, als das Unternehmen auf einen Bereich setzte, der zum damaligen Zeitpunkt noch in seinen Kinderschuhen steckte. Heute ist die Elektromobilität erfolgreich im Unternehmen implementiert und der Name Mennekes fest mit der entwickelten Ladesteckvorrichtung verknüpft. Wir sprachen mit den beiden Geschäftsführern Walter und Christopher (Sohn) Mennekes über die so erschaffene Unternehmenseinheit mitsamt ihren Herausforderungen und Voraussetzungen, über die aktuell und künftig notwendigen Digitalisierungsprozesse sowie über die vielerorts präsente Angst vor einer Rezession in den kommenden Jahren.

 

Herr Walter Mennekes, Sie haben in einem Interview mit impulse.de im Jahr 2016 gemeint, Sie bereuen es, Ihr Studium an der Ingenieurfachhochschule nicht abgeschlossen zu haben. Was wäre in Ihrem Leben und in der Art, wie Sie Ihr Unternehmen entwickelt haben – aus heutiger Sicht – anders gelaufen, wären Sie den Ausbildungsweg bis zu seinem Ende gegangen?

Walter Mennekes: Ich hätte das anders formulieren sollen, wenngleich ich sagen muss, dass ich durch die Krankheit meines Vaters schon früher, häufiger und intensiver in die Firma eingebunden war. Als er dann von uns ging, hatte ich bereits viele Kontakte zum Elektrogroßhandel und Handwerk. Die Theorie aus der Schule mittels Praxis zu Ende gebracht zu haben, hat mich nicht weiter gestört. Ob ein Abschluss des Studiums meine Persönlichkeit und meine Art, mit Menschen umzugehen, verändert hätte, kann ich selbst nicht beurteilen, ich denke jedoch nicht.

 

Herr Christopher Mennekes, inwieweit hat Sie die Erfahrung Ihres Vaters inspiriert? Welche Lehren haben Sie daraus gezogen und welchen Ausbildungsweg haben Sie gewählt?

Christopher Mennekes: Die Erfahrungen meines Vaters haben mich stark geprägt, besonders die beruflichen. In meinen jungen Jahren – nach Abitur und der Bundeswehr – war ich vielseitig interessiert, unter anderem an Musik. Dennoch habe ich mich dazu entschlossen, das Betriebswirtschaftsstudium anzustreben – was schlussendlich die richtige Entscheidung war – denn im Laufe des Studiums habe ich mich immer stärker mit der Firma identifiziert.

 

Herr Christopher Mennekes, wie würden Sie Ihren eigenen Management-Stil einschätzen? Bevorzugen Sie, ähnlich wie Ihr Vater, Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen, oder hat Sie Ihre Ausbildung dementsprechend geprägt, sodass der Kopf eine größere Rolle spielt als der Bauch?

Christopher Mennekes: Ich versuche, Entscheidungen so gut als möglich abzuwägen – selbst, aber auch im Kreise meiner Geschäftsführerkollegen, um die bestmögliche Lösung zu finden. »Entscheidungen aus dem Bauch« können auch richtig sein, gerade in Bezug auf Personalthemen, wo es stark um zwischenmenschliche Aspekte und Nuancen geht. Komplexere Themen müssen meiner Meinung nach konkret umrissen werden, mit allen Facetten und Auswirkungen, die folgen können. Ich glaube, dass dies der bessere Ansatz ist, der vielleicht ein bisschen mühsamer und nicht so dynamisch erscheinen mag. Doch sind schnelle Entscheidungen gerade bei den Themen, die wir bewegen, nicht immer nötig. Besser ist es, alle Eventualitäten abgewogen zu haben, um dann in die richtige Richtung zu gehen, ohne nachträglich korrigieren zu müssen.

 

Nicht jedem Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand der Elektroindustrie ist es gelungen, eine funktionierende Nachfolgeregelung zu schaffen. Wer wird langfristig in Ihre Fußstapfen treten, Herr Christopher Mennekes? Gibt es bereits klare Tendenzen?

Christopher Mennekes: Natürlich ist es eine Wunschvorstellung, dass eines meiner beiden Kinder das Unternehmen irgendwann weiterführt, sodass es ein Familienunternehmen bleibt. Allerdings werde ich das nicht forcieren, ebenso wenig wie es mein Vater bei mir und meinen Brüdern getan hat. Ich habe gelernt und lerne immer noch, dass eine solche Verantwortung und die Führung eines Unternehmens nicht vom Nachnamen abhängen dürfen, sondern dass Fähigkeiten entscheidend sind. So schön es ist, wenn Familienunternehmen lange Generationsketten aufweisen können, so ist es heute, in der komplexer, weil transparenter gewordenen Welt wichtig, dass die Qualität an der Spitze stimmt. Das ist maßgeblich und entspricht verantwortungsvollem Handeln im Sinne eines verantwortungsvollen Unternehmers aus meiner Sicht.

 

„Die Firma Mennekes war immer ein Verfechter des dreistufigen Vertriebswegs, denn die Dreieinigkeit zwischen Industrie, Großhandel und Handwerk war stets meine oberste Maxime und ein hohes Gut“, so Walter Mennekes. (Bild: Mennekes)

Mennekes hat sich in den letzten Jahren speziell durch die Entwicklung der Mennekes-Steckvorrichtung in der Elektromobilität und der Durchsetzung als Standard einen Namen in weiten Kreisen gemacht. Ihr Unternehmen ist aber nicht nur alleine dadurch geprägt. Ihre Historie und Entwicklung reichen weit in das letzte Jahrhundert zurück. Wie hat all das begonnen?

Walter Mennekes: Mein Vater hatte bereits in seinen jungen Jahren eine Affinität zum Thema Strom entwickelt. Während des Zweiten Weltkriegs hat er als Elektromeister gearbeitet und danach, als alles in Scherben lag, Waffeleisen und Bügeleisen hergestellt. Es gab ein tolles Produkt mit Namen »Glühauf«, das war eine Art Heizofen in Kleinstformat, den man an die Steckdose brachte. Es folgten erste Steckvorrichtungen aus Aluminium, was gegenüber dem herkömmlichen Material aus Grauguss einen Fortschritt darstellte. In den 1960er-Jahren kam der große Umschwung auf Kunststoff. Mein Vater hat schließlich das wenige Geld, das er besaß, in die Investition in thermoplastische Werkzeuge gesteckt – im Gegensatz zur duroplastischen Alternative. Heute sind alle Schalterabdeckungen usw. aus thermoplastischem Kunststoff aufgrund seiner Elastizität. Es gab also bahnbrechende Entwicklungen und ein gewaltiges Umdenken – von Aluminium zu Kunststoff zu wechseln, mit ganz anderen Voraussetzungen. Dennoch war es eine sehr wichtige Entscheidung, früh darauf zu setzen.

 

Was hat Sie bewogen, das wirtschaftliche Risiko auf sich zu nehmen und mit der Elektromobilität im Jahr 2008 in einen Bereich zu investieren, dessen Marktvolumen zum damaligen Zeitpunkt überhaupt nicht abschätzbar war?

Walter Mennekes: Ich war zu jener Zeit mit meiner Frau in Kanada und wir haben im amerikanischen Fernsehen gesehen und gemerkt, dass die Elektromobilität immer mehr in die Überlegungen kam. Nun, Elektroautos brauchen Stecker und Stecker, das ist aus unserer Sicht Mennekes. Meine Forderung an die Techniker bezog sich stets auf intelligente Stecker, nämlich solche, die nicht nur Strom übertragen, sondern auch melden, steuern und quittieren können – und das mit einer internationalen Norm. Die Stifte und Buchsen sind ja von der Konfiguration her vorgegeben, sodass wir dies mit einer Art Zusatzkontakt hingekriegt haben.

 

Inwieweit passen das Entwicklungstempo und die Kosten der Entwicklungen im Bereich Elektromobilität innerhalb des Unternehmens mit den erwirtschafteten Umsätzen daraus heute schon zusammen?

Walter Mennekes: Wir hatten bis vor 8 Jahren Geld gespart für diverse Übernahmen, Zukäufe oder weitere Entwicklungen. Schlussendlich haben wir in unser Unternehmen investiert mit neuen Mitarbeitern, es wurden neue Hallen gebaut und gekauft, um den Anschluss nicht zu verlieren – das fordert ein Unternehmen durchaus gewaltig heraus.

Christopher Mennekes: Es fordert uns tatsächlich bis heute heraus. Selbst wenn wir als Unternehmer an die Elektromobilität glauben, braucht es natürlich einen Markt, um die Strukturen entsprechend aufzubauen. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen und keine »Va-Banque-Spieler« – wir wollen diesen Bereich nachhaltig aufbauen und das ist uns bisher auch gelungen, wie ich finde. Natürlich wurden die Aufwände und Investitionen von Jahr zu Jahr immer größer, das kriegen wir auch heute noch gut gestemmt – es bringt uns allerdings auch in Situationen, wo wir bereits gewisse Kundenaufträge abgesagt haben, weil die Nachfrage und der Markt, der sich öffnet, einfach gigantisch sind. Wir freuen uns an der Marktentwicklung, die jetzt die Investitionen und die Vorleistungen in Personalaufbau etc. rechtfertigt.

 

Wie oft haben Sie sich in den letzten Jahren von der deutschen Automobilindustrie gewünscht, im Bereich Elektromobilität doch endlich Gas zu geben?

Christopher Mennekes: Der Wunsch, sich gerade in den Anfangsjahren stärker damit zu beschäftigen, war schon da. Ich hatte zu dem Zeitpunkt stark an das Thema geglaubt trotz aller offenen Fragen, die es damals noch gab. Ich hatte mir durchaus gewünscht, dass sich die deutsche Autoindustrie stärker engagiert, auch in der Vergangenheit zuvor. Ein Elektroauto konnten die Deutschen durchaus produzieren, aus welchen Gründen auch immer – ich will hier nicht spekulieren – hat man sich aber nicht wirklich dazu hinreißen lassen und ist jetzt ein bisschen spät dran. Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass das Thema jetzt an Fahrt aufnimmt. Für unsere Autoindustrie in Deutschland, in Europa, ist es wichtig, dieses Thema zu besetzen, sonst tun dies andere.

 

„Selbst wenn wir als Unternehmer an die Elektromobilität glauben, braucht es natürlich einen Markt, um die Strukturen entsprechend aufzubauen. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen und keine »Va-Banque-Spieler« – wir wollen diesen Bereich nachhaltig aufbauen und das ist uns bisher auch gelungen, wie ich finde“, meint Christopher Mennekes. (Bild: Mennekes)

Mennekes deckt mit dem Portfolio aus Steckdosen, Stecker, Kupplungen und Kombinationen einerseits den traditionellen Bereich der Elektrotechnik ab und andererseits mit der Elektromobilität ein Spektrum, das eine völlig neue Herangehensweise notwendig macht. Inwieweit äußert sich dieser Unterschied in der Unternehmenskultur, bei den Mitarbeitern der beiden Bereiche und wie schaffen Sie es, eine Einheit zu bilden?

Christopher Mennekes: Wir hatten immer eine starke, Mennekes-spezifische Kultur im Kerngeschäft und letztendlich sind auch die Elektromobilitätsbereiche in den Anfangsjahren aus diesem Kerngeschäft entstanden. Über die Jahre haben wir mehr und mehr Personal aufgebaut – auch aus anderen Branchen, wie der Automobilbranche. Alle, die zu uns gekommen sind, haben unsere Grundkultur, die wir seit Jahrzehnten gepflegt haben, trotz mancher Unterschiede gerne aufgenommen. Wir haben jetzt eine gemeinsame Kultur im Hause, die von gegenseitigem Respekt zwischen den Geschäftseinheiten geprägt ist. Gerade jetzt in der Krise kann man sich aufeinander verlassen, das gibt Stabilität und freut mich. Bei allem Engagement unserer Mitarbeiter ist es immer auch sehr marktgeprägt, was in den Einheiten passiert und passieren kann. Die gemeinschaftliche Kultur ist wichtig, weil man viel voneinander lernen kann – wir haben viele Synergieeffekte zwischen den unterschiedlichen Geschäftseinheiten und das empfinden auch die Mitarbeiter im Form von Weiterentwicklungsmöglichkeiten in ihren Bereichen.

 

Die beiden Unternehmensbereiche erfordern in einigen Märkten auch unterschiedliche Vertriebsformen – wie geht man intern damit um? Sie gehören zu den wenigen Unternehmen, die das Direktgeschäft tagtäglich leben können – mit allen Vor- und Nachteilen – und andererseits gleichzeitig den dreistufigen Vertriebsweg bedienen.

Walter Mennekes: Die Firma Mennekes war immer ein Verfechter des dreistufigen Vertriebswegs, denn die Dreieinigkeit zwischen Industrie, Großhandel und Handwerk war stets meine oberste Maxime und ein hohes Gut. Durch die Elektromobilität kamen jedoch neue Player auf den Markt und der Großhandel richtet sich stets nach den Marktbedürfnissen des Handwerks.

Christopher Mennekes: Diese neuen Geschäftsbereiche unterliegen anderen Märkten. Im Automotive-Markt, der parallel zu unserer Elektrobranche schon seit Jahrzehnten existiert, gibt es keine Handelsstruktur in dem Sinn. Auf die Gestaltung des OEM-Markts etwa haben wir keinen Einfluss, es handelt sich hier um gegebene Strukturen. Spannender wird es beim Markt der Ladeinfrastrukturen, der sich immer noch gerade erst bildet, weil dort viele Player zusammenkommen: die Elektrobranche, die Autozuliefererbranche, die Energieversorgungsunternehmen, IT-Unternehmen, die mit Dienstleistungen in den Markt hineindrängen, weil ein Lösungsgeschäft erforderlich ist – es ist also ein sehr komplexer Markt mit komplexen Produkten. Man muss nah am Kunden sein, Lösungsgeschäfte organisieren. Die ersten Kunden der ersten Stunde, die öffentliche Ladeinfrastruktur in Deutschland forciert haben, waren die Stadtwerke. Wir haben aber immer auch auf den Großhandel gesetzt und glauben bis heute, dass sich dieser wesentliche Kanal gemeinsam mit dem Elektrohandwerk etablieren wird. Unsere Plattform, die sich an Endkunden richtet, ist so aufgebaut, dass wir die Dreistufigkeit integrieren.

Walter Mennekes: Wir haben von Anfang an offensiv und transparent mit unseren Partnern des Großhandels gesprochen, in aller Ehrlichkeit und Offenheit, und sie stehen nach wie vor treu an unserer Seite. Für diesen Vertrauensvorschuss und dieses Verständnis möchte ich dem Großhandel und Handwerk Danke sagen, dass sie den Weg in dieser Art mit uns gegangen sind.

 

Der Vertrieb von Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität ist speziell in Ländern wie Österreich eine Herausforderung, weil hier menschliche Verflechtungen und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse zum Tragen kommen. Speziell bei den größeren Projekten spielen andere Player, wie Energieversorgungsunternehmen etwa, eine Rolle. Wie stehen Sie dazu?

Christopher Mennekes: Wir haben uns bewusst von den sehr großen Projekten, die wettbewerblich stark umkämpft sind, ein Stück weit zurückgezogen. Vor allem bei kleineren Projekten kommt unser Angebot besser zum Tragen, zumal sich die Energieversorger eher auf das DC-Schnellladen fokussieren, was bei uns kein vorherrschendes Thema ist – folglich gibt es auch nicht sehr viele Berührungspunkte.

 

Welche Rolle spielt der Elektrogroßhandel in Zeiten der Digitalisierung? Gibt es Alternativen zum dreistufigen Vertriebsweg oder ist dieser auch künftig in Stein gemeißelt?

Christopher Mennekes: Ich meine, »in Stein gemeißelt« ist in der Zukunft wenig, die Digitalisierung verändert vieles – nicht nur im geschäftlichen, sondern generell im gesellschaftlichen Bereich. Wollen wir unsere dreistufige Partnerschaft erhalten und wettbewerbsfähig machen gegenüber anderen Strukturen, so müssen wir uns besser digitalisieren. In Deutschland gibt es viele sehr gute Bestrebungen, wie sich Hersteller, Händler und Handwerker untereinander verbinden können. Das halte ich für sehr sinnvoll und eine zukunftsweisende Richtung, um in Zeiten der Digitalisierung in der Dreistufigkeit bestehen zu können. Fakt ist, dass wir uns nicht darauf verlassen können, dass Systeme, die vor 20 oder 30 Jahren funktioniert haben, es auch noch in 10 Jahren tun. Ich glaube, der Endkunde ist schlussendlich derjenige, der die Entscheidung trifft, und wir müssen alle miteinander die paraten Lösungen haben, um unsere Leistung wettbewerbsfähig anzubieten. Können wir das, so wird es der Kunde honorieren. Wir müssen also weiter engagiert am Ball bleiben und uns gemeinsam digitalisieren, die richtigen Schnittstellen definieren, stärker auf unsere Kernkompetenzen fokussieren und darauf, was der Kunde für welche Leistung zu zahlen bereit ist. Wenn wir das konsequent verfolgen, gibt es für alle Player, so glaube ich, auch weiterhin ein auskömmliches Geschäft.

 

In Deutschland und in den Niederlanden sind Sie in Ihrem traditionellen Geschäftsfeld deutlicher Marktführer. Was wollen Sie tun, um in Österreich Marktanteile zu gewinnen?

Christopher Mennekes: In Österreich pflegen wir seit Jahrzehnten eine erfolgreiche Partnerschaft mit der Firma Siblik und haben auch Mennekes-Spezialisten im Markt. Der Wettbewerb ist speziell in Österreich natürlich intensiv, jedoch sind wir bestrebt, uns deutlich als Qualitäts- und Innovationsanbieter zu differenzieren – ich denke mit zunehmendem Erfolg.

Walter Mennekes: Bei aller Vertriebstreue gibt es immer jene, die ihre eigenen Wege an den Vertriebsstrukturen vorbei gehen. Das entspricht nicht unserem Ziel. Wir bleiben so weit wie möglich auf unserem Ausrichtungsgrad von rund 90 % Großhandels- und Handwerkstreue. Wir gehen unseren Weg so schnell wir können, ohne die Mitarbeiter, unsere Partner oder den Markt zu überfordern. Marktbegleiter beleben das Geschäft.

 

„Auch die Themen Energiewende, Digitalisierung des Gebäudes, Smart Home werden unsere Branche nach vorne treiben und wir werden sehen, so meine ich, dass wir dort gute Rahmenbedingungen haben. Die innovativen Bereiche, die mit Mobilitätswende und Energiewende zusammenhängen, werden der Elektrobranche insgesamt dienlich sein.“ (Bild: Mennekes)

Wie weit ist der Digitalisierungsprozess im Hause Mennekes fortgeschritten? Auf welcher Stufe befinden Sie sich und was steht hier noch bevor?

Christopher Mennekes: Der Digitalisierungsprozess ist ein weites Feld und umfasst im Grunde alles, was digitalisierbar ist. Ähnlich wie beim Aufbau der Elektromobilität muss hier step by step vorgegangen werden. Bevor das Thema Digitalisierung aufkam, waren wir im Bereich der Prozessautomatisierung bereits sehr aktiv und auf einem guten Niveau. Prozessdigitalisierung schreitet jetzt auch weiter voran, ein großes Thema ist die Digitalisierung der Vermarktung – die Bedienung unserer Kunden nicht nur mit Hardware, sondern auch mit den erforderlichen Daten, um das Geschäft in der digitalen Welt überhaupt betreiben zu können. Auch wir müssen uns anpassen, um das erfüllen zu können, was gefordert wird. Wir haben auf jeden Fall noch Aufgaben vor uns, aber wir fühlen uns auf einem guten Niveau, so bekommen wir es auch von unseren Kunden gespiegelt. Die Reise ist noch lange nicht zu Ende und wir beginnen eben erst, in der Dreistufigkeit digitaler zu werden. Neben den Prozessen und der Vermarktung spielt natürlich die Digitalisierung der Produkte selbst eine große Rolle – hier sind wir bereits sehr weit fortgeschritten. Im Bereich der Ladesysteme haben wir mit einem IT-Unternehmen und einem Energieversorger ein Joint Venture namens chargecloud GmbH gegründet, das eine Software-Lösung für den Betrieb von Ladeinfrastruktur anbietet. In diesem Bereich ist Hardware mittlerweile fast untrennbar mit Software verbunden, schließlich geht es in der Ladeinfrastruktur immer mehr um Bits und Bytes und weniger um Volt und Ampere.

 

Welche Schritte haben Sie anlässlich der Corona-Krise innerhalb Ihres Unternehmens gesetzt und welche Auswirkungen werden die unterschiedlichen Maßnahmen der Regierungen auf Mennekes in den Märkten haben?

Christopher Mennekes: Wir haben aus meiner Sicht recht früh agiert: Als klar wurde, dass wir vor einer Pandemie stehen, wurde ein innerbetrieblicher Krisenstab einberufen. Wir haben uns an die staatlichen Vorlagen gehalten, den Pandemieplan für ein Unternehmen relativ schnell abgearbeitet und alles implementiert, was vorgeschlagen wurde, die Maßnahmen also entsprechend umgesetzt. Wir haben uns konkrete Gedanken gemacht, wie es zu verhindern wäre, dass ganze Bereiche plötzlich behördlich geschlossen werden müssen, sodass wir unsere Produktionstätigkeit und unsere Lieferfähigkeit immer erhalten können – das ist bisher auch gelungen. Arbeitsplätze wurden durch verschiedene Maßnahmen Corona-sicher gemacht und das hat uns bisher vor größeren Fällen im Unternehmen bewahrt. Natürlich spüren auch wir die Auswirkungen der Corona-Krise. Die ersten Monate liefen gut, doch jetzt ist eine Rückläufigkeit im Industriegeschäft schon spürbar. Ich nehme an, dass weniger Industriehallen in diesen Zeiten gebaut werden, bei vielen Investitionsbudgets wurde verständlicherweise auf die Bremse gedrückt. Erfreulich ist, dass der Bereich Elektromobilität weiter auf Zielkurs ist. Hier gibt es keine Einbußen, sodass wir insgesamt in einer stabilen Lage sind trotz des in Mitleidenschaft gezogenen Kerngeschäfts. Wir alle hoffen, dass sich die Perspektive, wann mit einem Ende der Krise zu rechnen ist bzw. wie wir damit umgehen, klarer herauskristallisiert für alle Unternehmenslenker oder Entscheider, sodass auch wieder Investitionsfreude einkehrt und nicht diese Verunsicherung bestehen bleibt, die zurzeit Investitionen bremst. Von daher wünsche ich mir, dass wir eine Perspektive aufgezeigt bekommen, sodass der Investitionssektor wieder auf sicheren Füße stehen kann.

 

Die Angst vor einer Rezession in den nächsten Jahren ist überall spürbar. Wir als Insider vertreten eine andere Meinung und zwar, dass sich die Elektrotechnikbranche durch den Bedarf aus der Energie- und Mobilitätswende eine eigene Hochkonjunktur schaffen könnte. Wie sehen Sie das? Welche Produktbereiche werden aus Ihrer Sicht eine höhere Nachfrage haben als andere?

Christopher Mennekes: Ich stimme mit Ihnen überein. Wir bemerken es im Bereich der Elektromobilität, wo wir bei uns im Hause eine Art »Sonderkonjunktur« spüren. Ich denke, das wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Auch die Themen Energiewende, Digitalisierung des Gebäudes, Smart Home werden unsere Branche nach vorne treiben und wir werden sehen, so meine ich, dass wir dort gute Rahmenbedingungen haben. Dies entspricht der Entscheidung der Bundesregierung, die ihre Förderprogramme bereits deutlich auf das Thema Nachhaltigkeit ausrichtet. Die innovativen Bereiche, die mit Mobilitätswende und Energiewende zusammenhängen, werden der Elektrobranche insgesamt dienlich sein.

 

Daraus folgend werden Sie künftig auf neue Geschäftsfelder setzen? Womit wird uns Mennekes in Zukunft überraschen?

Christopher Mennekes: Durch die neuen Themen in der Elektromobilität und Digitalisierung verfolgen wir verschiedenste Projekte, die weitere Marktchancen bieten und uns vielleicht auch in neue Geschäftsfelder vordringen lassen. Durch unsere neuen Geschäftseinheiten und ihre Synergien haben wir viel dazugelernt, was wir auch im Kerngeschäft sicherlich spüren werden. Tatsächlich haben wir aber noch viel zu tun, was diesen Markthochlauf im Bereich der Elektromobilität betrifft. Dort erfolgreich zu bleiben, ist eine unserer obersten Prioritäten. Hier gibt es noch genug innovative Themen, wo wir uns weiterentwickeln können und möchten.

 

Die abschließende Frage richtet sich an Walter Mennekes: Wie oft müssen Sie als Vizepräsident des FC Bayern München Kartenwünsche für Spiele erfüllen?

Walter Mennekes: Meine Tätigkeit dort ist ehrenamtlich und ich habe ein beschränktes Kontingent zur Verfügung. Es tut jedoch immer wieder gut, wenn man dem einen oder anderen Freund damit eine Freude bereiten kann!

 

Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch!

 

Weitere Informationen auf:

www.mennekes.de

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