Das Internet of Things

In einem Punkt ist die Zukunft des Internets bereits erreicht, freute sich nic.at Geschäftsführer Richard Wein in seiner Eröffnungsrede: Die lang propagierte Erweiterung des Domain-Namensraums mit neuen Top Level Domains ist seit Beginn des Jahres Realität. Von den über 1.400 beantragten Endungen sind bereits über 425 in Betrieb – darunter .wien, .berlin und .hamburg. Grund genug für Unternehmen sich zu überlegen, ihre Präsenz im Internet auf etwaige neue Domains auszudehnen.

Das Internet der Dinge: Warum gerade jetzt?
Siegfried Reich, Geschäftsführer von Salzburg Research, erklärte in seinem Einführungsvortrag, warum die Vernetzung der digitalen und realen Welt gerade jetzt boomt. Er identifizierte die Treiber der Entwicklung: Einerseits die erhöhte Connectivity, die es erlaubt immer noch mehr Dinge im Netz zu lokalisieren, zu monitoren, zu analysieren und zu steuern. Aber auch die enorme Preisreduktion der Komponenten trägt dazu bei, dass Geräte immer leichter mit Chips und Sensoren ausgestattet werden können. Schließlich eröffnen auch neue Methoden und Technologien in der Datenverarbeitung ungeahnte Möglichkeiten die gewonnenen Daten (Stichwort: Big Data) neu zu verknüpfen und mehrfach zu nutzen. Haupt-Nutznießer des Internet of Things finden sich derzeit im Handel, Industrie, Medizin, Transport und Verkehr, Energie- und Gebäudemanagement sowie Sport- und Freizeitbereich.

Das Thema Lokalisierung als Schlüsseltechnologie des Internets of Things brachte Karl Rehrl, Leiter der Forschungslinie »Mobile Web-based Information Systems« bei Salzburg Research, dem Publikum näher. Anhand des Floating Car Data Projekts in Salzburg zeigte er auf, wie Daten von Fahrzeugen im Verkehr von Projektpartnern kooperativ genutzt werden und dadurch Mehrwert entsteht. Wirklich spannend wird aber der nächste Schritt, die »autonome Phase«, wenn sich vernetzte Dinge selbständig organisieren, steuern und Entscheidungen treffen. Natürlich sind dabei auch wichtige Fragen zu beantworten, speziell im Umgang mit den Daten: Wem gehören die Daten, die von einem Gerät kommen? Wer ist Schuld, wenn das Gerät fehlentscheidet? Und dürfen Daten, die für einen bestimmten Zweck erhoben wurden, auch für andere Zwecke verwendet werden?

IoT im Einsatz bei Hagleitner: Ich weiß, ob du dir die Hände wäschst!
Ein anschauliches Beispiel aus der Praxis lieferte Olivers Stärz von Hagleitner Hygiene International mit dem Hagleitner sensemanagement. Geräte im Waschraum sind mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet, die mit der Management Base per Funk sprechen und ihr Daten wie Batteriestand, Befüllung, Besucherfrequenz oder Anzahl von Betätigungen übermitteln. Der Mehrwert für den Kunden liegt auf der Hand: Mithilfe einer übersichtlichen Dokumentation und Datenaufbereitung kann er gezielter nachbestellen, besser planen, die Reinigung der Waschräume optimieren und nicht zuletzt monitoren, ob Hygienevorschriften eingehalten werden. Denn speziell im Gesundheitswesen gibt es strenge Compliance-Vorgaben z.B. bei Desinfektion. Wird über das sensemanagement erkannt, dass diese nicht befolgt werden, kann durch gezielte Schulung gegengesteuert werden.

Ob sich der Einsatz von Internet of Things für alle Unternehmen lohnt, beleuchtete Hannes Selhofer von Salzburg Research in seinem Vortrag »Stellt das Internet der Dinge Ihr Geschäftsmodell auf den Kopf?« Er empfahl Firmen, sich mit der Entwicklung auseinander zu setzen grundlegende Thesen und Fragestellungen intern zu analysieren. Dass das IoT neue Geschäftsfelder und -modelle eröffnet, ist unumstritten. Welche neuen Akteure und Rollen sich etablieren werden, ist jedoch unklar. Große Chancen ergeben sich auf jeden Fall für neue Dienstleistungen, für die Erschließung neuer Kundensegmente und die Optimierung von Prozessen. Wichtig dabei ist, den Kunden frühzeitig einzubeziehen – zum Beispiel in Form von Open Innovation bei der Produktentwicklung.

Technologie und Sicherheit: Was sind die Herausforderungen im Internet of Things?
Peter Dorfinger von Salzburg Research wies darauf hin, dass mit der stärkeren Vernetzung auch immer höhere Anforderungen an die Technologie zukommen – Sicherheit und geringe Verzögerungszeiten sind nur zwei Schlagworte dabei. Er stellte eine Technologie vor, die die intelligente gemeinsame Nutzung von Netzen sicher und verlässlich ermöglicht und in der eine zentrale Stelle das Know-how über das gesamte Netz hat: Software Defined Networking. Sie könnte bei der Vernetzung der Energienetze (Smart Grids) genutzt werden und wird derzeit bei Salzburg Research erforscht.

Dass bei unzähligen IoT-Entwicklungen die Sicherheit hinterherhinkt, bestätigte Aljosha Judmayer von SBA Research. Viele Technologien kommen aus einer Zeit, wo exklusive, geschlossene Netze für die vernetzten Geräte existierten und daher andere Sicherheitsanforderungen galten. Nun ist alles im Internet miteinander vernetzt. Das Dilemma: wirkungsvolle Kryptographie und Verschlüsselung braucht Zeit, Ressourcen und leistungsstarke Geräte – Dinge, die bei dem hohen wirtschaftlichen Druck unter den Herstellern kaum leistbar und oft auch nicht ihre Kernkompetenz sind. Hier kann aber auch der Kunde einwirken, indem er Produkte mit Sicherheits- und Privacy-Features bevorzugt.

Das Internet of Things: Paradies oder Hölle?
Stefan Hupe von IoT Vienna rüttelte zum Abschluss das Publikum noch einmal mit Extremsichtweisen auf: Wo liegt die Wahrheit zwischen denen, die uns vollmundig das IoT-Paradies mit mehr Komfort, weniger Kosten und ohne lästige Entscheidungen versprechen und jenen, die mit Security-Gefahren, Auslieferung an die Technik und Verlust von Entscheidungskompetenz den Teufel an die Wand malen? In der Realität müssen wir uns täglich zwischen diesen Extremen neu positionieren und unseren Weg finden – beide haben ihre Berechtigung. Wir müssen allerdings die Illusion vergessen, dass wir jemals alles im Griff haben werden. Die Antwort kann nicht in der Technik liegen, vielmehr müssen wir auch unsere Konventionen und Einstellungen überdenken. Eine seiner Schluss-Empfehlungen: „Folgen Sie nicht jedem Hype, aber stecken Sie nicht den Kopf in den Sand!”

Wieder einmal war der IT-Businesstalk mit rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den verschiedensten Branchen ein voller Erfolg – Auftrag genug, schon bald den 8. IT-Businesstalk in Angriff zu nehmen.

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