Das Exklusiv-Interview mit dem neuen CEO von Rexel Austria

Rund 100 Tage sind seit dem Antritt des neuen CEO von Rexel Austria vergangen. Wie es nach dieser, gerne als Schonfrist bezeichneter, Zeit nun bei Rexel, Regro und Schäcke weitergeht, haben wir J. Robert Pfarrwaller gefragt:

Herr Pfarrwaller, wie ist es in Ihnen in den ersten hundert Tagen gegangen?
J. Robert Pfarrwaller: Eines vorweg: Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden. Ich war sehr stolz, die Geschäftsführung von Rexel zu übernehmen und habe meine erste Zeit damit verbracht, das Unternehmen, die Kunden und die ganze Struktur kennen zu lernen. Bei meinen Besuchen in den vielen Rexel-Niederlassungen, in unserem Zentrallager in Weißkirchen in Paris oder München, habe ich bewusst darauf geachtet, so vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie möglich, und nicht nur den Führungskräften, sozusagen die Hand zu schütteln und mit ihnen zu sprechen – das war mir sehr wichtig. Außerdem wollte ich vom kleinen, bis zum großen Gewerbe-, Industrie-, oder Elektrofachhandelsbetrieb, so viele Kunden wie möglich treffen. Zu guter Letzt, habe ich vielen strategischen Lieferanten einen Besuch abgestattet. Die Light+Building war dafür auch eine gute Plattform, die ich aufgrund meiner »Lichtvergangenheit« gerne genutzt habe. Meine ersten Tage habe ich aber nicht nur mit reden verbracht, sondern auch um zu verstehen, wo Rexel wirklich steht. Dabei muss ich meinem Vorgänger Franz Gletthofer ein großes Kompliment aussprechen, aber auch dem Management-Team von Rexel Österreich, da er/sie in der Lage waren, mir ein sehr gut funktionierendes Unternehmen zu übergeben. Dadurch hatte ich erst die Zeit, mir alles zu Beginn so genau ansehen zu können – diesen Luxus hat man nicht oft!

Wo sehen Sie dieses Unternehmen in fünf Jahren?
Pfarrwaller: Was ich in dieser Zeit gesehen habe ist, dass der Elektrogroßhandel, so wie er heute schon aufgestellt ist (in Bezug auf Regro, Rexel und Schäcke) bereits viel mehr offeriert als in der Breite bekannt ist. Ich bin von den stark ausgebauten Kompetenzen auf der fachlichen Seite, die angeboten und gelebt werden, sehr beeindruckt. Da ist nicht nur das »Ware durchreichen« Konzept, sondern eine umfangreiche Beratungsdienstleistung dahinter vorhanden. Dieses offerierte Dienstleistungsangebot kann und wird weiter ausgebaut aber, und das ist eines meiner Schlüssel-Erkenntnisse daraus, kann durchaus an Bekanntheitsgrad zulegen. Nach dem Motto: »Mach gute Dinge, aber sprich auch darüber«!
An der genauen detaillierten Strategie für die nächsten fünf Jahre arbeiten wir derzeit noch. Die organisatorische Strategie bleibt aber wie folgt: Wir haben ein flächendeckendes Netzwerk über ganz Österreich und operieren zum Markt hin mit unseren zwei Marken. Schäcke, mit Ausrichtung auf Gewerbe und Fachhandel, und Regro mit Ausrichtung auf Industriebedarf, mit Rexel als Dachorganisation, die bestimmte Dienstleistungen im Hintergrund bringt. Grundsätzlich werden wir das Thema »unterschiedliche Marken zum Markt« somit fortführen. Wir bündeln Kompetenzen unterschiedlich in den Netzwerken, das heißt aber nicht, dass bestehende Kunden, die nicht dem jeweiligen Segment zuzuordnen sind, nicht weiter betreut werden.
Eine Entscheidung, welche genaue Markenstrategie wir im Detail weiter verfolgen, eilt aus meiner Sicht nicht. Unsere Marken sind etabliert und haben einen guten Wert, trotz oder gerade wegen ihrer Vergangenheit. Dieser Schmelztiegel aus unterschiedlichen Historien macht sie unglaublich stark und divers.

Wird man in Zukunft mehr von der Marke Rexel, ihrer Bedeutung als Arbeitgeber und als Wirtschaftsfaktor konfrontiert werden?
Pfarrwaller: Alle Waren, die unsere Lager verlassen, sind Rexel »gebrandet«. Wir verkaufen ganz bewusst unter Schäcke und Regro. Wie ich vorher bereits gesagt habe, glaube ich, dass wir in der Wahrnehmung nach Außen sicher Potenzial nach oben haben. Insgesamt wird es sicher eine Überlegung sein, wie die Marken wirklich positioniert werden sollen und wie wir unsere Aktivitäten, zum Kunden aber auch zu den Lieferanten, etwas transparenter darstellen. Damit der Wert, den wir als Dienstleister bringen, stärker wahrgenommen wird. Das ist aber kein kurzfristiger Prozess, sondern ein zu beschreitender Weg. Verändern wir die grundsätzliche Ausrichtung zum Markt? Nein! Bauen wir dazu ein Marketinggebilde? Das wird sicher in der Zukunft passieren.

Welche Vorteile hat ein Industrieunternehmen bei der Zusammenarbeit mit Rexel bzw. Regro? Wie geht es da in den nächsten Jahren weiter?
Pfarrwaller: Der Vorteil liegt in unserer Gesamtkompetenz. Ich gehe jetzt von einem sehr bodenständigen Bild aus: Die Industriebetriebe in Österreich, wovon sehr viele KMUs sind, haben im Grunde ganz banale Herausforderungen zu meistern. Wie werde ich effizienter, wie kann ich Läger und Prozesskosten reduzieren, wie kann ich noch mehr »on time« bekommen, wie kann ich so neutral wie möglich agieren, usw.? Mit unserer markenneutralen Beratungskompetenz und unserer Logistikdienstleistung im Hintergrund, können diese Herausforderungen gemeistert werden. Wir erweitern beständig unser Portfolio, um den steigenden Bedarf abzudecken und dem Kunden alles aus einer Hand anzubieten. Das wird auch angenommen, was der steigende Zuwachs an Kunden bestätigt. Wir liefern zwei Kabelbinder oder drei Kilometer Kabel mit der gleichen Sorgfalt und das jeden Tag. Das ist unsere große Stärke, diesen Weg gehen wir auf jeden Fall weiter, ohne einen anderen Weg zu vernachlässigen.

Wie geht man seitens Rexel das Thema Energieeffizienz – also den intelligente Umgang mit Energie – an?
Pfarrwaller: Wir haben für Querthemen, und Energieeffizienz ist ein solches, alle erforderliche Kompetenzen im Haus und sogar in jeder Niederlassung zur Verfügung. Kommt ein Kunde zu uns, um zu wissen, wo er sparen kann, dann haben wir alle Kompetenzen, um Fragen der Energieeffizienz oder Automation zu beantworten und um ein Bewusstsein für den sinnvollen Umgang mit Energie zu schaffen.

Wie steht es mit dem Thema Gewerbe – gibt es hier Unterschiede zur Industrie?
Pfarrwaller: In Bezug auf das Gewerbe gibt es ein völlig anderes Geschäftsmodell. Hier werden andere Kompetenz benötigt – Datenmanagement, Kompetenzvermittlung und Einfachheit des Erlebens, sind die drei Schlüsselworte. Unsere Rolle ist es die komplizierte Technik einfach und transparent rüberzubringen. Betrachtet man den Gesamtmarkt Elektrotechnik als solcher, dann wird dieser in Österreich teilweise direkt durch die Industrie, teilweise durch den Elektrogroßhandel und teilweise durch Importe abgedeckt. Dann gibt es ein paar Wachstumsimpulse. Energieeffizienz ist einer davon, aber auch Automation oder Innovationen, beispielsweise im Lichtbereich. Die Branche befindet sich insgesamt in einer Transformation, die Digitalisierung wird nicht aufzuhalten sein. Es gibt aber auch noch Kunden, die Außendienstmitarbeiterinnen und Außendienstmitarbeiter mit Kugelschreiber und Schreibblock präferieren. Das eine schließt das andere nicht aus – wir decken schließlich den Gesamtmarkt ab.
Man darf nicht vergessen, dass wir einer der großen Wissensvermittler zum Markt sind. Wir bieten unglaublich viele Schulungen, KNX-Ausbildungen, Zertifizierungen und ähnliche Themen. Für viele kleine Betriebe sind wir somit das Tor zur Innovation.

Wie begegnet man der Gefahr, dass umfangreiche Beratung stattfindet und Kunden dann mit diesem Wissen in irgendeinem Webshop eines Billigstanbieters auf Schnäppchenjagd gehen?
Pfarrwaller: Unsere ecommerce Aktivitäten u.a. mit unserem Webshop und der digitalen Anbindung, ist eine Erfolgsgeschichte und eine unserer wesentlichen Säulen des Kundenerlebnisses mit uns. Aber: Wir werden mit Sicherheit neue Mitbewerber bekommen, das ist in jeder Branche so. Gleichzeitig dringen wir in neue Bereiche vor, in denen wir der neue Mitbewerber sind. Wir müssen flexibel sein und uns auf Marktbegebenheiten einstellen. Auch wenn Logistik nach wie vor ein elementares Thema ist, wird das Datenmanagement stark ausgebaut. Die Konkurrenz durch billige Webshops ist mit Sicherheit eine der größten Herausforderungen, der wir uns stellen werden müssen. Hier ist die Universallösung noch nicht gefunden. Fest steht aber, dass Interessenten, die Dienstleistungen kostenlos erwarten, aber dann billig online woanders kaufen, sicherlich einen anderen Servicegrad erhalten. Ein Nein, ist durchaus in unserem Portfolio vorhanden.
Wir müssen unseren Partnern noch stärker vermitteln, dass wir mehr bieten als nur Logistikdienstleistungen, dass wir ein wesentlicher Innovationsvermittler sind und dass wir in neue Segmente vorstoßen und uns dabei neuen Mitbewerbern, auch jenen, die versuchen in unser Stammsegment einzubrechen versuchen, stellen werden. Sich diesen Herausforderungen zu widmen, ist doch der Spaß an der ganzen Sache – davor habe ich keine Angst.

Herr Pfarrwaller, wir danken für das Interview!

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