(Bild: Dehn Austria GmbH)

Was bedeutet die neue Elektrotechnikverordnung für den Blitzschutz?

Blitzschutz vs. neue Elektrotechnikverordnung 2020

Anfang Juli 2020 ist die neue ETV 2020 in Kraft getreten. Was bedeutet das für den Blitzschutz? Vorab stellt sich die Frage warum überhaupt eine neue Elektrotechnikverordnung notwendig ist:

  • Letzte umfassende Aktualisierung der Normenliste im Juli 2010
  • Klarstellung von CEN/CENELEC über die Unzulässigkeit der kostenlosen Veröffentlichung von Normen
  • Erlass des Bundeskanzleramtes über das Publizitätsgebots verbindlicher Normen
  • Herstellung einer konsistenten Terminologie mit dem ETG 1992 nach der letzten Novelle 2017

Gemäß §3 (3) ETG 1992 kann der Bundesminister durch Verordnung zu den Abs. 1 [Sicherheit elektr. Anlagen] und 2 [Sicherheit im Gefährdungs- und Störungsbereich elektrischer Anlagen] nähere Regelungen treffen.
ETG 1992 (4) Der Bundesminister kann nach Anhörung der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft und der Bundesarbeitskammer durch Kundmachung im Bundesgesetzblatt Bestimmungen für die Elektrotechnik verlautbaren, deren Anwendung zwar nicht verbindlich ist, bei deren Anwendung aber die Anforderungen der Abs. 1 und 2 als erfüllt angesehen werden. …
Somit ist die Verordnungsermächtig im ETG 1992 geregelt.

Da es sich bei den meisten Normen nicht um rein österreichische Normen, sondern um europäische Normen handelt, liegt das Urheberrecht bei CENELEC. CENELEC lehnt ein kostenfreies Zurverfügungstellen unabhängig von einer allfälligen Urheberrechtsabgeltung ab. Aus diesem Grund ist eine Elektrotechnikverordnung in gewohnter Form nicht mehr möglich, da in Österreich verbindlich erklärte Normen kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen.

Grundlegende Anforderungen für die Umsetzung der ETV2020 sind allgemein in §3 Abs. 1 und 2 ETG 1992 geregelt. Gemäß ETG1992 §1 (2) sind Anlagen zum Potentialausgleich, Erdungsanlagen, Blitzschutzanlagen und Anlagen zum kathodischen Korrosionsschutz ebenfalls elektrische Anlagen. Blitzschutz- und Hochspannungsanlagen werden daher detailliert in den verbindlichen OVE-Richtlinien R 1000-2:2019-01-01 und R 1000-3:2019-01-01 behandelt.

Die wesentlichen Neuerungen:

Die Liste der verbindlichen Normen ist deutlich kürzer.
Nur noch rein österreichische elektrotechnische Normen und elektrotechnische Referenzdokumente können zukünftig verbindlich erklärt werden.
Im Anhang II der ETV 2020 werden außerdem nicht verbindliche elektrotechnischen Sicherheitsvorschriften aufgezählt, bei deren Anwendung davon ausgegangen werden kann, dass die grundlegenden Sicherheitsanforderungen des Elektrotechnikgesetzes ETG 1992 erfüllt sind.
Im Anhang I, verbindliche rein österreichische elektrotechnische Normen und elektrotechnische Referenzdokumente sind in Bezug auf Erdung und Blitzschutz die OVE E 8014:2019, OVE R 1000-2 zu finden.

Im Anhang II, kundgemachte elektrotechnische Normen sind nun z.B. die OVE E 8101:2019, ÖVE/ÖNORM EN 50310:2017, ÖVE/ÖNORM EN 50173 Reihe, ÖVE/ÖNORM EN 50174 Reihe, ÖVE/ÖNORM EN 62305-3:2012 und jetzt neu ÖVE/ÖNORM EN 62305-4:2012.
Teil 4 der Blitzschutznorm behandelt den inneren Blitzschutz (Elektrische und elektronische Systeme in baulichen Anlagen). Bis jetzt war mit dem Teil 3 der Blitzschutznorm nur der äußere Blitzschutz verbindlich erklärt. Wenn in der Norm jedoch von einem Blitzschutzsystem die Rede ist, ist immer äußerer- und innerer Blitzschutz gemeint. Nur wenn äußerer- und innerer Blitzschutz aufeinander abgestimmt und fachgerecht ausgeführt werden, kann eine ordnungsgemäße Funktion gewährleistet werden.

Die OVE-Richtlinie R1000-2 beschreibt die wesentlichen Anforderungen an Blitzschutzsysteme (LPS) zum Schutz von baulichen Anlagen und Personen, mit dem Ziel der Vermeidung einer Gefährdung des Lebens oder der Gesundheit von Menschen, sowie der Abwehr einer erheblichen Gefahr für Sachen und Gebäude (z.B. Brand oder Explosion). Diese Anforderungen gelten für die Planung, die Errichtung und den Betrieb von Blitzschutzsystemen.
Die Anforderungen der R1000-2 gelten für die Errichtung von neuen Blitzschutzsystemen sowie bei wesentlichen Änderungen und Erweiterungen von bestehenden Blitzschutzsystemen, welche den anerkannten Regeln der Technik für den Blitzschutz entsprechen müssen. Das LPS ist bereits in der Planungsphase des Bauvorhabens zu berücksichtigen. Basis für jede Elektroinstallation und Blitzschutzanlage ist die Erdungsanlage. Wenn diese mangelhaft geplant und errichtet wird, kann dies nachträglich oft nur mit großem technischen und finanziellen Mehraufwand behoben werden.

Weiters sind mit der OVE R1000-2 Anhang A nun auch die erforderlichen Mindestblitzschutzklassen verbindlich erklärt. Damit sollten nun viele Diskussionen ob eine Blitzschutzanlage zu installieren ist oder nicht, hinfällig sein. Bisher wurden diese Mindestblitzschutzklassen in der ÖVE/ÖNROM EN 62305-3: Beiblatt 2 angegeben. Dieses Beiblatt 2 war jedoch nicht verbindlich erklärt und wurde, obwohl anerkannte Regeln der Technik, teilweise nicht beachtet.

Neu mit der R1000-2 ist auch, dass die Zerstörung oder der Ausfall sicherheitstechnischer relevanter elektrischer und elektronischer Systeme, durch Blitz(teil)ströme, Blitzüberspannungen oder Potentialunterschiede (z.B. Brandmeldeanlage, Notbeleuchtung, RWA-Anlagen, GMA-Anlagen, Kassensysteme) behandelt wird. Es ist gegebenenfalls ein Blitzschutzzonenkonzept lt. ÖVE/ÖNORM EN 62305-4: Elektrische und elektronische Systeme in baulichen Anlagen zu erstellen (siehe ETV2020 Anhang II – kundgemachte elektrotechnische Normen).

Unter Punkt 7 werden Anforderungen an die Planung und Dokumentation des Blitzschutzsystems und unter Punkt 8 an die Prüfung des Blitzschutzsystems angeführt. Eine saubere Dokumentation ist Teil des Anlagenbuches und Grundvoraussetzung für die wiederkehrenden Prüfungen. Bezüglich Dokumentation elektrischer Anlagen (Anlagenbuch) gibt es in der OVE E 8101 eine nationale Ergänzung 1.NE bezüglich Mindestumfang.

Für Planer und Errichter bringt die neue ETV2020 sicher einiges an Klarheit in Bezug auf Erdungs- und Blitzschutzanlagen.

Weitere Informationen unter www.dehn.at

Quelle: Dehn Austria GmbH

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