Bis ins Detail

Es war einer der letzten Auftritte in seiner Funktion als Leiter des Hersteller-Vertriebs in Österreich, und trotzdem führte Peter Seibert den Vortrag »Haben traditionelle Lichtquellen Zukunft« im Rahmen des »Osram Lichtplaner Workshops 2011«, als würde er keinen Gedanken an seinen nahenden Ruhestand verschwenden.
Der Osram-Event fand heuer erstmals an zwei Tagen statt, um »noch effizienter die Informationen an die Fachleute zu bringen«, so Osram und lud die heimischen Lichtplaner dazu ins Hotel Hanner im geschichtsträchtigen Mayerling ein. Klar, dass spätes­tens Botschaften wie »Wir rechnen damit, dass sich der Umsatz mit klassischen Lichtquellen in den nächsten Jahren stabilisieren wird« für ein Umdenken sorgen und der LED-Technik auch vonseiten der Planer nun noch intensivere Aufmerksamkeit geschenkt wird. „Das wesentliche Wachstum wird aus dem Bereich Solid-State-Lighting – Licht aus Festkörpern – kommen. Wir rechnen in vier bis fünf Jahren mit 40–50% von unserem Gesamtumsatz, der dann weit höher sein wird, als das heute der Fall ist“, unterstreicht Seibert den Trend. Um das Ziel zu erreichen, investiert Osram 5,5% des Umsatzes in Forschung und Entwicklung und davon wiederum rund 18% in den Halbleiterbereich. Seibert sieht vor allem die große Systembandbreite als großen Vorteil von Osram: „Wir bieten vom Chip bis zur Steuerung alles aus einer Hand“, so der Lichtexperte eingangs seines Vortrages.

Noch ausbaufähig

Trotz der rasanten Entwicklung im Bereich der LED-Technik vergisst Seibert nicht, auf die Fortschritte im Bereich der traditionellen Technologien hinzuweisen: „Die bisher gebräuchlichen Leuchtmittel behalten zum Großteil weiterhin ihren Stellenwert in der Beleuchtung – vor allem dann, wenn die betreffenden Lampen Lichtausbeute-Werte jenseits von 100 lm/W aufweisen. Innovative Techniken ermöglichen es uns auch, bestimmte Lampen in höheren Energieeffizienzklassen anzubieten, als das bisher der Fall war. So sind wir unter anderem in der Lage, die Lichtausbeute der Leuchtstofflampe als Lichtquelle durch Anhebung der Brennspannung, durch Reduktion des Lampenstromes und damit verbunden durch Reduktion der Leistungsaufnahme bei zumindest gleichbleibender Lebensdauer weiter zu steigern – ein gutes Beispiel dafür sind die T5-Lampen von Osram: Sie weisen derzeit eine Lampenlichtausbeute von 115 lm/W.“ Der Trend ist, die Leistung bei gleichbleibendem Lichtstrom zurückzunehmen, womit man klarerweise für eine verbesserte Energieeffizienz sorgt. „Auch bei der 28-W-DuluxL-Kompaktleuchtstofflampe als Ersatz von 55-W-Lampen sind wir mittlerweile bei 100 lm/W angelangt“, erläutert Seibert. Selbst in Sachen Lebensdauer halten herkömmliche durchaus mit modernen Technologien mit – Seibert dazu: „Wir haben T8-Leuchtstofflampen im Programm, die unter bestimmten Voraussetzungen eine Lebensdauer von 75.000 Stunden bzw. 45.000 Stunden versprechen. Auch im Bereich der Kompaktleuchtstofflampen mit Stecksockel – die im Speziellen für den Planer wichtig sind – bieten wir Modelle an, die mittlerweile 36.000 Stunden schaffen.“

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Die Weiterentwicklung der Halogenmetalldampflampe – die aufwendigste Lampe, die Osram laut Seibert für die Allgemeinbeleuchtung baut – spielt sich insbesondere im Bereich der Verbesserung der Rot-Farbwiedergabe, der Sofortlicht und Heißwiederzündung sowie der Effizienzsteigerung (also zur Erhöhung der Lichtausbeute bis zu 150 lm/W) ab.
Auch bei der Natriumhochdrucklampe sind Verbesserungen zu erwarten: „Allerdings nur in Sachen Effizienzsteigerung – die lichttechnischen Werte werden voraussichtlich keine signifikanten Steigerungen mehr erfahren.“
Vor allem in der öffentliche Beleuchtung besteht laut Seibert ein gewaltiges Potenzial für die Lichtbranche: „Von den 650.000 Brennstellen in der Außenbeleuchtung, die es in Österreich gibt, sind sicher zwei Drittel mit veralteten Leuchtmitteln bestückt, deren Inverkehrbringen noch dazu bis 2015 vom Gesetzgeber verboten wird. Alleine 220.000 Stück T12-Leuchtstofflampen und zahlreiche ineffiziente Quecksilberdampf-Hochdrucklampen sorgen nach wie vor in der Bundeshauptstadt für die Beleuchtung im öffentlichen Bereich. Hier sind effizientere Lösungen sinnvoll – LED ist eine davon, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.“

Nur wenn´s sinnvoll ist

Mit diesem Satz schaffte Seibert die perfekte Überleitung zu Karim Momens Vortrag über die neuen Wege des Lichts. Gleich zu Beginn richtete Momen einen Appell an die Anwesenden in Sachen Betriebsgeräte: „Ich möchte Ihnen nahelegen, Anlagen mit Produkten zu planen, die alle für die Lichtbranche erforderlichen Normen und Vorschriften gleich von vorneherein erfüllen! Die Osram-Optotronic-Betriebsgeräte kosten in der Anschaffung vielleicht ein wenig mehr, der ausführende Techniker kann allerdings besser schlafen, denn damit erfüllen Sie alle notwendigen Erfordernisse.“ Auch Momen wies darauf hin, dass der Einsatz von LEDs noch nicht überall sinnvoll ist: „Man sollte sich bei der Planung jeder Anlage fragen, ob die Vorzüge der LED-Technik sinnvoll nutzbar sind – nur so schafft man auch die Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb. Werden sie nicht benötigt, ist eine konventionelle Beleuchtungsanlage wahrscheinlich kosteneffizienter.“ Momen glaubt auch daran, dass es in zehn Jahren auch noch Beleuchtungsaufgaben geben wird, die mit konventionellen Lichtquellen gelöst werden.

 

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Die Zukunft ist heute

Lagen die LED-Laborwerte im Jahr 2008 noch bei 135 lm/W, so ist dieser Wert laut Momen 2012 bei am Markt erhältlichen Produkten zu erwarten: „Wir können in den nächsten fünf Jahren noch mit bedeutenden Effizienzsteigerungen im Bereich der LEDs rechnen.“ Auch die Lebensdauer steigt parallel dazu ähnlich rasant an: „Mittlerweile können wir Produkte anbieten, die bis zu 60.000 Stunden Lebensdauer garantieren – natürlich immer in Abhängigkeit der Qualität der Betriebsgeräte bei einem gleichzeitigen Lichtstromverlust von 30%.“
Momen präsentierte anlässlich der Planertagung das breitstrahlende (120°), UV-beständige LED-Band »LinearLight Flex« der zweiten Generation, das weiterhin aufklebbar und nun auch in IP67 – also bei zeitweiligem Eintauchen in Flüssigkeiten geschützt – ausgeführt ist: „Selbst das Abschneiden des Bandes ist erlaubt und trotzdem bleibt die Schutzart erhalten“, so Momen, der auch auf die korrekte Montage – möglichst auf ein Aluprofil bzw. -blech, das die Wärme abführen kann – bei einem Biegeradius von maximal 5 cm hinwies. Die Einspeisung erfolgt an einem Ende und kann bis zu 9,9 m lange LinearLight Flex mit 24-V-konstanter Gleichspannung versorgen.
Ab rund 200 Euro bietet Osram mittlerweile die flächenstrahlenden OLED-Module mit 23 lm/W ab Lager an: „Osram ist der erste Hersteller, der die OLED-Module zur Serienreife gebracht hat“, behauptet Momen und weist auf die extrem flache Bauform des Leuchtmittels hin: „Die OLED ist heute eine Folie mit 0,7 mm Dicke und strahlt ein vollkommen homogenes, gleichmäßiges Licht – mit 200 Candela/m² Leuchtdichte – ab. Sie ist zum Schutz vor Feuchtigkeit zwischen zwei Glasplatten gepackt und ist deshalb insgesamt 2 mm dick. Der Einsatz von OLEDs ist dort sinnvoll, wo die aufgezählten Vorteile zum Tragen kommen“, betont der Osram-Lichtexperte weiter. Momen verriet auch, dass Osram bereits an der zweiten Generation der LED-Retrofit-Leuchtstofflampen ar­beitet – ab diesem Sommer soll man auch die 58-W-Leuchtstofflampen ersetzen können, ohne dass der Gewichtsgrenzwert von 500 g überschritten und damit die Fassung überlastet wird. Nach den Vorträgen von Seibert und Momen präsentierte Wolf Oelschlegel die Osram-Tochter Traxon (www.traxontechnologies.com) als Partner für die LED-Projektbeleuchtung. Produkte und Referenzprojekte – unter anderem eines auf der Wiener Kärntner Straße – veranschaulichten das Thema auf Praxisebene.
Axel Pilz setzte schließlich den Schlusspunkt des Tages mit seinem Referat über Lichtmanagement für moderne Beleuchtungssysteme. Ein Tag, der für die Teilnehmer kaum informativer hätte sein können – ein Grund mehr, den Osram-Lichtplaner-Workhop im nächsten Jahr zu besuchen. Dann allerdings ohne Peter Seibert – er wird zu diesem Zeitpunkt wohl seinen Ruhestand in vollen Zügen genießen. Wir wünschen ihm alles Gute und viel Spaß dabei!

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