»Bin gekommen, um zu bleiben!«

Die mittelständischen Unternehmen werden immer wieder als tragende Säule der deutschen Wirtschaft betrachtet. Vor allem familiengeführten Unternehmen fällt dabei eine wichtige Rolle zu. Neben einigen anderen Paradeunternehmen der Elektrobranche zählt auch Siedle zu jenen Betrieben, die noch fest in der Hand der Eigentümerfamilie sind und den Konzernen die Stirn bieten. Wir sprachen mit Guido K. Eckenwalder, dem Leiter des internationalen Vertriebs bei Siedle über die Geschehnisse und darüber, was wir erwarten können…

Herr Eckenwalder – Siedle ist eine renommierte Marke im Bereich der Sprechanlagen. Auch in Österreich nimmt sie einen hohen Stellenwert ein. Allerdings sind in den letzten Wochen personell einige Veränderungen passiert, die für Unruhe am österreichischen Markt gesorgt haben. Was ist geschehen und worauf können sich die heimischen Kunden von Siedle einstellen?
Eckenwalder: Uns haben drei langjährige Mitarbeiter verlassen – das ist natürlich ein Verlust, aber zugleich sehen wir darin die Chance, die Niederlassung in Innsbruck neu aufzustellen. Foto: SiedleGuido K. Eckenwalder, Head of International Sales, Dipl. Ing. (FH), MBA: Ja, leider haben uns drei langjährige Mitarbeiter verlassen. Das ist natürlich ein Verlust, aber zugleich sehen wir darin die Chance, die Niederlassung in Innsbruck neu aufzustellen. Kurzfristig haben wir einen erfahrenen Mitarbeiter zur Verstärkung geschickt, aber das ist nur eine Übergangslösung. Siedle-Kunden und Partner können sich darauf verlassen, dass wir unsere Präsenz in Österreich intensivieren. Die aktuelle Situation ist für Siedle eine Ausnahme. Grundsätzlich haben wir eine sehr geringe Personalfluktuation, auch in unseren Niederlassungen.

In den letzten Jahren hat es ein Kommen und Gehen auf dem Posten des Exportleiters gegeben. Was unternimmt Siedle, um hier eine langfristige Lösung zu schaffen?
Eckenwalder: Ich bin angetreten, um zu bleiben und für Stabilität zu sorgen. Das ganze Unternehmen, bis hinauf zur Geschäftsführung, unterstützt mich dabei. Das Auslandsgeschäft steht bei Siedle stark im Fokus, gerade auch der österreichische Markt.

Unseres Wissens ist in Österreich Herr Köstner als Geschäftsführer eingetragen – aber wer ist der Ansprechpartner für die österreichischen Elektrounternehmen? Und wer übernimmt die Architektenbetreuung?
Eckenwalder: Der kaufmännische Geschäftsführer sicher nicht. Er hat natürlich ein Auge auf das operative Geschäft, aber er erledigt es nicht selbst. Wir werden unseren Außendienst ausbauen, um eine flächendeckende Betreuung der Elektropartner, Architekten und Planer gewährleisten zu können. Die operative Leitung übernimmt der neue Niederlassungsleiter. Es ist durchaus üblich und von Vorteil, dass das Mutterunternehmen in der Geschäftsführung vertreten ist. Auch das unterstreicht die Bedeutung des österreichischen Marktes für Siedle.

Der Vertrieb in Deutschland basiert auf dem dreistufigen Vertrieb – in Österreich ist ein derartiges Konzept nicht nachvollziehbar. Gibt es eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Elektrogroßhandel und wenn Ja, wie durchgängig ist diese Vertriebsstruktur?
Eckenwalder: Sie haben Recht, die Vertriebsstruktur in Österreich ist nicht vergleichbar mit Deutschland. Das ist aber in vielen Ländern so und kein Problem. Wir passen uns den Gegebenheiten an. Manche Dinge sind auch historisch bedingt. Aber bei allen Unterschieden gibt es in Deutschland wie in Österreich wichtige Partnerschaften mit dem Großhandel, die wir weiterhin pflegen und ausbauen werden.

Siedle bekam immer wieder Auszeichnungen für das Design der Produkte. Technisch warten die Kunden allerdings seit Längerem auf eine Zweidraht-Lösung, die auch auf Smartphone und Tablet abrufbar ist. Wann kommt eine derartige Lösung?
Eckenwalder: Siedle konzentriert sich auf die eigene Kernkompetenz, deshalb behaupte ich, dass wir einfach mehr können. Foto: SiedleEckenwalder: Wir stehen kurz vor der Light+Building, vorher werde ich nicht über mögliche Entwicklungen sprechen, sondern herzlich zur Messe einladen. Aber Siedle auf Design zu reduzieren, ist weit weg von der Realität. Immerhin haben wir ein sehr mächtiges IP-System entwickelt und eingeführt, inklusive Apps für Smartphone und Tablet. Übrigens bleibt gutes Design auch in der Software-Welt sehr wichtig. Grafische Benutzeroberflächen sind entscheidend für die Benutzerfreundlichkeit und damit für den Markterfolg.

Worauf kann man sich technologisch einstellen? Was wird die nahe Zukunft sonst noch bringen?
Eckenwalder: Wir sehen besonders im Export einen klaren Trend zu IP-basierten Gebäudekommunikationssystemen. Ein Entwicklungsschwerpunkt wird deshalb weiterhin unser IP-System Siedle Access sein. Natürlich wird der In-Home-Bus dabei nicht zu kurz kommen. Wie schon gesagt: Ein Besuch der Light+Building wird sich lohnen!

SAus massivem Metall: Das neue Siedle Classic gibt es in zahlreichen Materialvarianten, das Bild zeigt eine Anlage aus Aluminium. Foto: Siedletichwort: Produkt-Segmentierung. Siedle kennt man aus dem gehobenen Segment. Betrachtet Siedle auch den klassischen Häuslbauer als potenziellen Kunden? Hat man für diese Kundengruppe das passende Angebot – etwa Einsteiger-Sets?
Eckenwalder: Selbstverständlich, Sets für Ein-und Zweifamilienhäuser gibt es schon lange. Mit mehreren Designlinien und Technologien machen wir jedem Bauherrn ein attraktives Angebot. Klar ist allerdings, dass wir auch bei Einsteigerprodukten keine Kompromisse eingehen, wenn es um Qualität geht. Im Billigsegment spielt Siedle nicht mit. Ich denke, damit liegen wir gerade in Österreich nicht falsch, denn hier wird in Relation pro Kopf mehr Geld für den Bau ausgegeben als in Deutschland. Man kann daraus schließen, dass hochwertig gebaut wird. Die Technik an der Schwelle prägt das Gesicht des Hauses. Den ersten Eindruck, sozusagen. Viele Häuslbauer wissen das und legen deshalb Wert auf eine gute Türkommunikationsanlage, die ja auch für mehr Komfort und Sicherheit sorgt.

Gestaltungs- und Funktionsvielfalt: Mit zwei Gehäusefarben und unterschiedlichen Oberflächen passen sich die Panels individuellen Wünschen an. Sie lassen sich an der Wand oder auf dem Tisch platzieren. Der Tischfuß ist in Schwarz, Weiß und Edelstahl erhältlich. Foto: SiedleDie Türkommunikation wird immer weniger als separates Thema in der Gebäudeautomatisierung betrachtet – Gira, Berker, Busch-Jaeger und viele andere Hersteller führen mittlerweile Sprechanlagen im Sortiment. Welchen Handlungsbedarf sieht Siedle in dieser Hinsicht?
Eckenwalder: Wir haben darauf zwei Antworten. Die erste: Nicht Größe ist entscheidend, sondern Kompetenz, Qualität und Innovationskraft. Wer Türkommunikation nur als Teil der Gebäudeautomation sieht, behandelt sie auch so – als ein Geschäftsfeld unter vielen. Siedle dagegen konzentriert sich auf die eigene Kernkompetenz, deshalb behaupte ich, dass wir einfach mehr können. Wer nicht irgendeine, sondern die beste Sprechanlage will, landet beim Spezialisten. Hinzu kommt, dass auch Siedle längst Systemhersteller ist und viel mehr anbietet als Sprech- und Klingelanlagen. Die zweite Antwort: Im Systemumfeld werden Schnittstellen wichtig. Über Schnittstellen können Spezialisten kooperieren und ihre Stärken zusammenführen. Und gebündelte Stärke ist unserer Meinung nach das attraktivere Angebot. Aber natürlich nehmen wir den zusätzlichen Wettbewerb sehr ernst, er zwingt uns, in jedem Bereich noch besser zu werden und unser Profil zu schärfen. Wie sagt man so schön: Er belebt das Geschäft.

Einfache und sichere Kommunikation für Hörbehinderte: die Zustandsanzeige von Siedle. Sie zeigt mit Symbolen, was sonst zu hören ist. Foto: SiedleWenn einerseits immer mehr Wettbewerber aus anderen Bereichen die Türkommunikation erobern wollen, Sie Siedle andererseits als Systemanbieter sehen – wollen Sie dann den Spieß umdrehen und ihrerseits neue Geschäftsfelder betreten?
Eckenwalder: Wenn Sie von mir wissen wollen, ob wir in Zukunft in das Schaltergeschäft einsteigen, dann kann ich Ihnen eine eindeutige Antwort geben: Nein, wir werden keine Schalter bauen. Die sind nicht unser Metier. Und was wir unter einer guten Kommunikationstechnik verstehen, passt nicht in eine Schalterdose. Vergleichen Sie einmal das Display unserer Video-Panels mit dem einer Schaltersprechstelle. Wir beobachten ganz andere Trends, zum Beispiel die demografische Entwicklung. Einfache, intuitive und sichere Bedienung wird immer wichtiger, und dort liegt seit jeher eine unserer Stärken. Unsere Produkte müssen schließlich auch die neuen Normen zum barrierefreien Bauen erfüllen – ein ganz wichtiger Zukunftsmarkt.

In Insiderkreisen wird immer wieder über einen möglichen Verkauf von Siedle gesprochen. In welcher Position sieht sich das Unternehmen diesbezüglich derzeit?
Eckenwalder: Aus wirklichen Insiderkreisen kann dieses Gerücht nicht stammen, die wissen es besser. Aus interessierten Kreisen vielleicht schon. Bitte helfen Sie uns, es endlich aus der Welt zu schaffen. Siedle steht nicht zum Verkauf, und es gibt nicht einmal einen Grund, darüber nachzudenken.

Herr Eckenwalder, vielen Dank für das Gespräch!

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