Belächelt, unterschätzt, unaufhaltbar

Photovoltaic Austria-Präsident Dr. Hans Kronberger konnte sich einmal mehr über den vollen Saal beim diesjährigen Frühjahrsauftakt der PVA freuen.Denn eines steht fest, die Photovoltaik hat sich von einer stets belächelten zu einer der Schlüsseltechnologien zur Energiewende entwickelt. Die Zeit, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, ist aber noch lange nicht gekommen – denn es gibt noch viel zu tun.

Die Photovoltaik hat sich in kurzer Zeit von einer relativ teuren zu einer erschwinglichen Form der Stromerzeugung entwickelt und wird sich in absehbarer Zeit nicht nur zur umweltverträglichsten, sondern auch zur kostengünstigsten Technik der Energiebereitstellung wandeln“, so bezeichnet es die PVA im Vorwort zum bereits zum siebten Mal stattfindenden Frühjahrsauftakt. Die Hürden, die es bis zu diesem heutigen Stand zu nehmen galt, waren vielfältig und sie werden weiter vielfältig bleiben. „Bei dieser Gelegenheit sollte auch der Einsatz der Wirtschaftskammer einmal hervor gehoben werden“, wie es Univ. Doz. Dr. Mag. Stephan Schwarzer (Wirtschaftskammer Österreich) betonte, denn „seit sieben Jahren wird der PV-Frühlingskongress nun in der Wirtschaftskammer im vierten Wiener Gemeindebezirk abgehalten und schafft es dabei, regelmäßig den größten Saal des Hauses zu füllen.“

Sie wurde lange belächelt, heute hat sich die Photovoltaik zu einer der Schlüsseltechnologien zur Energiewende entwickelt.“ Ing. Stefan Reininger  Vom Herumschlagen mit der Politik
Photovoltaik 4.0, dieses Motto des Kongresses kann man mit einem einzigen Punkt auch gleich mehrfach deuten, wie es Ing. Stefan Reiniger vom Klima- und Energiefonds deutlich machte. „Photovoltaik gegen fossile Energieträger = 4:0 – emissionsfrei, nachhaltig, skalierbar und inzwischen viel, viel billiger.“ Ein Vorsprung, der nicht mehr einzuholen ist? „Spielt man einmal in der Champions League der Energieträger mit, weiß man, dass man auch ein 4:0 noch aus der Hand geben kann“, so Reiniger, der dazu aufrief, auch in Zukunft weiter Druck zu machen und, um weiter beim Vergleich Fußball zu bleiben, „sich auf ein 5 bzw. 6:0 vorzubereiten.“ Diesen Druck übt die PVA eifrig im Hintergrund aus und hat dabei schon so manches abwenden können, was der Branche mit Sicherheit geschadet hätte, wie auch aktuell bei der (kleinen) Ökostromnovelle. „Eine schwere Geburt, aber ein relativ schönes Kind“, so kommentierte Hans Kronberger in einem mittlerweile durch viele Medien gegangenen Satz diese neueste Novelle, bei der hinter den Kulissen immer noch »weitergekämpft« wird. „Es geht uns letztendlich um eine Systemänderung, bei der das Ausbauvolumen stark vergrößert werden soll.“ Dazu muss nach Kronberger, etwa beim mehrgeschossigen Wohnbau und Gewerbe, die Möglichkeit geschaffen werden, den erzeugten Strom auch gemeinsam verwenden zu dürfen – generell muss Eigenverbrauch, als alles, was nicht ins Netz geliefert wird, definiert werden. Zudem stehen Probleme bei der Tarifförderung an, die gelöst werden müssen. Auf Dauer sieht Kronberger nun auch einen systematischen Umstieg auf Investmentförderung als sinnvoll an. Oberstes Ziel der PVA ist nach wie vor, die Marktfähigkeit der Photovoltaik zu erreichen.
DI Hubert Fechner, MAS, MSc., Dr. Hans Kronberger, DI (FH) Gernot Becker (ATIB-Becker Photovoltaik GmbH) und DI Kurt Leeb (ewwg ag) reüssierten gemeinsam über die Anfänge der Photovoltaik in Österreich. Gemeinsamer Tenor: „Alle Prognosen, die man noch in den 90er-Jahren anstellte, wurden von der heutigen Realität weit überholt. So eine Entwicklung war damals gar nicht vorstellbar.“Ein best practice-Beispiel aus der Schweiz zeigte in diesem Zusammenhang, wie Mehrparteienhäuser gemeinsam PV-Strom nutzen können. Das Fazit von Georg Meier, MAS, MSc. (Energie Zukunft Schweiz) lautete dementsprechend, dass der dezentrale Eigenverbrauch mit Vermeidung der Netzkosten großes Potenzial bietet – die Chancen, die sich dadurch ergeben, würden die Gefahren überwiegen.
Vielleicht richtet es ja die EU? Das sogenannte Winterpaket ist ein 1.400-Seiten-Werk, in dem man versucht, die Entwicklung im Klimaschutz und in der Energiepolitik neu zu gestalten. Ob man diesem Paket nun in allen Einzelheiten zuspricht oder nicht, „Klimaschutz geht nur dann, wenn man aus Öl, Gas und Kohle aussteigt. Ob der Vorschlag der EU-Kommission auch angenommen wird, steht noch in den Sternen. Es geht hier in erster Linie um Machtfragen – die technische Seite ist schon längst geklärt“, so DI Günter Liebel (Sektionschef Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft).

Traditionsgemäß konnten sich die Kongress-Teilnehmer zwischen den Vorträgen an den Ständen der Sponsoren informieren.Die Zukunft gehört der PV
Genug aber vom Politischen, der Rest des Kongresses stand ganz im Zeichen von Lösungen und Neuigkeiten rund um die Anwendung der Photovoltaiktechnologie. Diese zeigten ganz klar, dass, so weit fortgeschritten sie auch sein mag, die technologische Evolution des PV-Moduls an sich noch lange nicht abgeschlossen ist. Diese Evolution erlaubt mittlerweile die Einbindung der Photovoltaik in vielerlei Oberflächen, als Dach, Fassade oder auch als transparente Fensterflächen (ertex Solar). Glasmodule, die auch reflektierendes Sonnenlicht von hinten zur Stromerzeugung nutzen können (Kioto Solar) oder flexible und ultraleichte Zellen (Das Energy), die eine Aufbringung an unebenen Flächen erlauben, erweitern das Einsatzgebiet der Photovoltaik enorm. Dazu passt auch die Einbindung der PV in die Karosserie von Elektroautos. Auf insgesamt 7,5 m2 Fläche und mit einer Leistung von 1.144 Watt soll so zum Beispiel der Sion (Sono Motors) auf den Straßen für Aufsehen sorgen – die Produktion ist ab 2019 geplant. Ein E-Car-Sharing-Konzept, wie es im Mühlviertel bereits praktiziert wird und rund 100 Teilnehmer hat, wurde bei dieser Gelegenheit ebenso vorgestellt.
Die CuBox wiederum ist eine Art mobiler Kiosk (natürlich vielseitig einsetzbar) mit eigener Stromversorgung durch PV und Speicher, die flexibel an allerlei Einsatzorten aufgestellt werden kann.
Der Erweiterung der Flächen, auf denen PV-Anlagen installiert werden, widmete sich auch eine Studie des Fraunhofer Instituts, bei dem die Nutzung auf Agrarflächen untersucht wurde. Das Ergebnis: Mittels PV-Anlagen geschützte Flächen eignen sich durchaus dazu, nicht nur Strom zu erzeugen, sondern auch oft benötigte Verschattungen aber auch Schutz vor beispielsweise Hagel zu bieten.

Man sieht also, es tut sich enorm viel auf dem Sektor der Photovoltaik – der Enthusiasmus, den die Teilnehmer am PVA-Kongress versprühten, ist in jedem Fall ein gutes Zeichen. Denn eines haben die Veranstaltungen der PVA seit all den Jahren gemeinsam: Man verlässt sie am Ende immer mit einem positiven Gefühl, ja mit einer Art Aufbruchsstimmung für die Zukunft, in der erneuerbare Energien tatsächlich die Vorherrschaft errungen haben – ein Gefühl für eine Zukunft, die plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt scheint.

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