„ABB hat auch im zweiten Quartal trotz konjunkturellem Gegenwind und geopolitischer Unsicherheiten eine gute Umsatzdynamik gezeigt“, sagte Peter Voser, Verwaltungsratspräsident und CEO von ABB.

ABB – 2. Quartal 2019:

Anhaltendes Wachstum trotz schwierigem Marktumfeld

„Wir werden unseren langfristig ausgerichteten Wachstumskurs in allen Geschäftsbereichen konsequent vorantreiben und den Fokus dabei weiter auf Kosten- und Portfoliomanagement legen. Und mit unserer neuen Kultur der Eigenverantwortung machen wir ABB zu einem stärkeren, agileren Unternehmen“, so Peter Voser, Verwaltungsratspräsident und CEO von ABB.

„Wir haben den Gesamtauftragseingang und den Umsatz weiter gesteigert, getrieben von den Geschäftsbereichen Elektrifizierung und Antriebstechnik. Dagegen war der Geschäftsbereich Robotik & Fertigungsautomation vom Abschwung in der Automobilindustrie und im Maschinenbau betroffen“, erklärte Timo Ihamuotila, CFO von ABB. „Gleichzeitig machen wir gute Fortschritte bei der Ausgliederung unseres Stromnetzgeschäfts, der Integration von GEIS und der Einführung unseres Betriebsmodells ABB-OS. Mit all diesen Maßnahmen verfolgen wir das Ziel, ABB profitabler zu machen.

Kurzfristiger Ausblick

Die makroökonomischen Indikatoren sind für Europa und China uneinheitlich, während sich das Wachstum in den USA nachhaltiger darstellt. Insgesamt werden die globalen Märkte weiter durch geopolitische Unsicherheiten beeinflusst.

Die Absatzmärkte von ABB zeigen sich robust, wobei auf einigen Märkten Gegenwind herrscht, insbesondere in der Fertigungsindustrie. Der Ölpreis und Effekte aus der Währungsumrechnung werden das Unternehmensergebnis voraussichtlich weiterhin beeinflussen.

Die wichtigsten Kennzahlen

Am 17. Dezember 2018 gab ABB den Abschluss einer Vereinbarung über den Verkauf ihres Stromnetzgeschäfts bekannt. Infolgedessen werden die Ergebnisse des Stromnetzgeschäfts als nichtfortgeführte Aktivitäten ausgewiesen. Die Ergebnisse des Unternehmens wurden für alle Perioden entsprechend angepasst.

Konzernergebnis des 2. Quartals 2019
Auftragseingang

Der Auftragseingang stieg im Berichtsquartal gegenüber der Vorjahresperiode um 1 Prozent (4 Prozent in US-Dollar). Dem Auftragsplus in den Geschäftsbereichen Elektrifizierung und Antriebstechnik standen die geringere Nachfrage im Geschäftsbereich Robotik & Fertigungsautomation und rückläufige Großaufträge im Geschäftsbereich Industrieautomation gegenüber. Der Auftragsbestand erhöhte sich um 7 Prozent (Rückgang um 3 Prozent in US-Dollar) und belief sich zum Ende des Berichtsquartals auf 14,0 Milliarden US-Dollar.

Serviceaufträge legten im zweiten Quartal um 3 Prozent zu (Rückgang um 2 Prozent in US-Dollar) und machten 20 Prozent der Gesamtaufträge aus.

Änderungen im Geschäftsportfolio, einschließlich der Übernahme von GE Industrial Solutions (GEIS) und der Gründung des Linxon Joint Ventures, führten im Gesamtauftragseingang zu einem positiven Nettoeffekt von 8 Prozent. Effekte aus der Währungsumrechnung wirkten sich mit 5 Prozent negativ auf den Gesamtauftragseingang aus.

Marktüberblick

Die Regionen zeigten im Berichtsquartal eine unterschiedliche Entwicklung:

  • In Europa blieb der Auftragseingang stabil (Rückgang um 3 Prozent in US-Dollar). Das kräftige Wachstum in Frankreich, den Niederlanden und Spanien und das robuste Wachstum in Deutschland wurden durch Auftragsrückgänge in Italien, Großbritannien, Finnland und Schweden mehr als ausgeglichen. In Deutschland stieg der Auftragseingang um 1 Prozent (Rückgang um 2 Prozent in US-Dollar).
  • Auf dem amerikanischen Kontinent verbesserten sich die Aufträge um 7 Prozent (30 Prozent in US-Dollar). Besonders positiv entwickelte sich der Auftragseingang in Südamerika, einschließlich Brasilien und Chile. In den USA erhöhten sich die Aufträge um 1 Prozent (29 Prozent in US-Dollar).
  • In der Region Asien, Naher Osten und Afrika (AMEA) gab der Auftragseingang um 3 Prozent nach (6 Prozent in US-Dollar). Die kräftigen Zuwächse in Südkorea, Südafrika und Australien und das solide Wachstum in Indien wurden durch die rückläufigen Aufträge in Ländern wie Japan, Saudi-Arabien und China mehr als ausgeglichen. In China sank der Auftragseingang um 1 Prozent (3 Prozent in US-Dollar).

Die Nachfrage entwickelte sich in den wichtigsten Kundensegmenten von ABB uneinheitlich:

  • In der Prozessindustrie schlug sich die fortgesetzte Nachfrage nach Elektrifizierungs-, Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen zur Optimierung der Produktivität in steigenden Aufträgen aus der Öl- und Gasindustrie, dem Bergbau und der Papier- und Zellstoffindustrie nieder.
  • Die traditionelle Automobil- und Zulieferindustrie, der 3C-Markt und der Maschinenbau waren im Berichtsquartal besonders herausgefordert, was sich nachteilig auf das Wachstum von ABB ausgewirkt hat. Die Fertigungsindustrie schwächte sich im Berichtsquartal insgesamt ab, auch wenn sich einige Absatzmärkte wie Nahrungsmittel & Getränke oder die Logistikbranche als robust erwiesen.
  • Im Transport- und Infrastruktursektor wurde weiter im Bahnbereich und im Segment der Spezialschiffe investiert. Im Bereich Elektromobilität und Rechenzentren legte der Auftragseingang kräftig zu, während die Nachfrage im Gebäudesektor stabil blieb.
Umsatz

Der Umsatz verbesserte sich um 2 Prozent (7 Prozent in US-Dollar). Die schwächere Performance im Geschäftsbereich Robotik & Fertigungsautomation konnte durch das Umsatzplus in den Geschäftsbereichen Elektrifizierung, Industrieautomation und Antriebstechnik kompensiert werden.

Der Serviceumsatz stieg um 1 Prozent (4 Prozent in US-Dollar). Das Servicegeschäft steuerte 19 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Änderungen im Geschäftsportfolio, einschließlich der Übernahme von GEIS und der Gründung des Linxon Joint Ventures, wirkten sich mit 9 Prozent positiv auf den ausgewiesenen Umsatz aus. Wechselkursänderungen führten im Umsatz zu einem negativen Umrechnungseffekt von 4 Prozent.

Das Book-to-Bill-Verhältnis betrug im Berichtsquartal 1,03x, gegenüber 1,06x im Vorjahreszeitraum.

Angesichts verhaltener Aktivitäten auf einigen Absatzmärkten erwartet ABB für 2019 auf vergleichbarer Basis ein moderates jährliches Umsatzwachstum, das vom Auftragsbestand des Unternehmens gestützt wird.

Operatives EBITA

Das operative EBITA lag bei 825 Millionen US-Dollar und damit 4 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals (Anstieg um 1 Prozent in Lokalwährungen). Die operative EBITA-Marge ging im Vergleich zum Vorjahr um 110 Basispunkte auf 11,5 Prozent zurück.

Ursächlich hierfür war unter anderem eine Belastung um rund 60 Basispunkte aus der Verwässerung durch GEIS und um weitere 90 Basispunkte durch Stranded Costs. Stranded Costs sind vom Konzern für das Stromnetzgeschäft erbrachte Dienstleistungen, die nicht die Kriterien für eine Bilanzierung als nichtfortgeführte Aktivitäten erfüllen. Der Konzern geht davon aus, dass Stranded Costs überwiegend auf das Stromnetzgeschäft übertragen werden oder bis zum Abschluss der Transaktion wegfallen. Im operativen EBITA-Ergebnis von Konzernaufwand und Sonstiges wurden Stranded Costs in Höhe von 66 Millionen US-Dollar erfasst, 12 Millionen US-Dollar weniger als im zweiten Quartal 2018.

ABB rechnet für 2019 mit einer Verbesserung der jährlichen operativen EBITA-Margen, unterstützt durch eine verbesserte Performance von GEIS, den weiteren Wegfall von Stranded Costs, Verbesserungen im Nicht-Kerngeschäft und das Vereinfachungsprogramm von ABB.

Konzerngewinn, unverwässerter und operativer Gewinn je Aktie

Der Konzernverlust aus fortgeführten Aktivitäten belief sich auf 54 Millionen US-Dollar. In diesem Ergebnis enthalten ist eine Belastung von 455 Millionen US-Dollar, die im Berichtsquartal nach der früher bekannt gegebenen Vereinbarung über den Verkauf des Solarwechselrichtergeschäfts erfasst wurde. Der Konzerngewinn aus nichtfortgeführten Aktivitäten betrug 142 Millionen US-Dollar.

Der auf ABB entfallende Konzerngewinn lag bei 64 Millionen US-Dollar. Der unverwässerte Gewinn je Aktie ging gegenüber dem Vorjahresquartal um 91 Prozent auf 0,03 US-Dollar zurück. Der operative Gewinn je Aktie gab um 10 Prozent nach und betrug 0,34 US-Dollar.

Cashflow aus Geschäftstätigkeit

Der Cashflow aus Geschäftstätigkeit belief sich auf 0 US-Dollar, gegenüber 1.010 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2018. Im Vergleich zur Vorjahresperiode sank der Cashflow aus Geschäftstätigkeit in den fortgeführten Aktivitäten von 686 Millionen US-Dollar auf -69 Millionen US-Dollar, während er in den nichtfortgeführten Aktivitäten von 324 Millionen US-Dollar auf 69 Millionen US-Dollar zurückging.

Gegenüber dem Vorjahr spiegelt der Cashflow aus fortgeführten Geschäftsaktivitäten hauptsächlich den Zeitpunkt von Bonuszahlungen an Mitarbeitende wider. Diese Zahlungen wurden in diesem Jahr im zweiten Quartal geleistet, während sie 2018 ins erste Quartal fielen. Darüber hinaus wurde der Cashflow durch eine ungünstigere Entwicklung der Verbindlichkeiten gegenüber der Vorjahresperiode belastet. Das Nettoumlaufvermögen in Prozent des Umsatzes betrug 13,6 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Mittelabflüsse für das Vereinfachungsprogramm und Ausgliederungsaktivitäten sowie zugehörige zahlungswirksame Steuereffekte erwartet ABB für das Gesamtjahr einen soliden Cashflow.

Performance der Geschäftsbereiche im 2. Quartal 2019

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2018 wurde das Stromnetzgeschäft von fortgeführten Aktivitäten auf nichtfortgeführte Aktivitäten übertragen. Alle früher ausgewiesenen Beträge wurden im Einklang mit diesen Portfolioänderungen angepasst. Das Ergebnis von Konzernaufwand & Sonstiges beinhaltet die Eliminierungen zwischen den Segmenten.

Elektrifizierung

Der Gesamtauftragseingang legte um 5 Prozent zu (22 Prozent in US-Dollar). Wachstumstreiber waren die lebhafte Nachfrage nach Lösungen, einschließlich exzellenter Zuwächse in Schlüsselsegmenten wie Bahn, Rechenzentren, Windenergie und Elektromobilitäts-Infrastruktur. Im Gebäudesektor blieb die Nachfrage stabil. Alle Regionen verzeichneten ein Auftragsplus. Der Umsatz verbesserte sich um 4 Prozent (22 Prozent in US-Dollar). Die operative EBITA-Marge ging gegenüber der Vorjahresperiode um 250 Basispunkte auf 13,5 Prozent zurück. In diesem Wert enthalten ist eine Verwässerung um 200 Basispunkte durch GEIS. Ohne GEIS spiegeln die Margen eine Veränderung im Geschäftsmix des Geschäftsbereichs Elektrifizierung wider.

Industrieautomation

Die Gesamtaufträge gaben um 4 Prozent nach (8 Prozent in US-Dollar). Belastet wurde die Auftragsentwicklung durch rückläufige Großaufträge in Europa und dem Nahen Osten im Vergleich zum starken Vorjahresquartal. In der Prozessindustrie und Öl- und Gasindustrie war eine gute Auftragsdynamik zu beobachten. Dem stand jedoch die schwache Auftragslage in der konventionellen Stromerzeugung entgegen. Der Auftragsbestand blieb im Vergleich zur Vorjahresperiode stabil (Rückgang um 2 Prozent in US-Dollar). Der Umsatz erhöhte sich um 3 Prozent (Rückgang um 2 Prozent in US-Dollar). Die operative EBITA-Marge ging gegenüber dem Vorjahresquartal um 220 Basispunkte auf 12,1 Prozent zurück. Ursächlich hierfür waren Projektmixeffekte und höhere Kosten aufgrund von Unterauslastung und Wachstumsinvestitionen.

Antriebstechnik

Der Gesamtauftragseingang verbesserte sich um 4 Prozent (stabil in US-Dollar), getrieben durch das gute Auftragswachstum insbesondere bei Antrieben und Services. Unter anderem gingen einige größere Aufträge für Traktionsausrüstung ein. Regional betrachtet, verzeichnete Europa starke Zuwächse, während der Auftragseingang in den anderen Regionen stabil war. Der Auftragsbestand lag zum Ende des Quartals 5 Prozent über dem Vorjahreswert (4 Prozent in US-Dollar). Der Umsatz stieg ebenfalls um 5 Prozent (1 Prozent in US-Dollar). Die operative EBITA-Marge verbesserte sich gegenüber der Vorjahresperiode um 40 Basispunkte auf 16,7 Prozent, was vor allem auf eine günstige Volumenentwicklung und das fortgesetzte Kostenmanagement zurückzuführen ist.

Robotik & Fertigungsautomation

Der Gesamtauftragseingang verringerte sich um 9 Prozent (14 Prozent in US-Dollar), bedingt durch den Vergleich mit dem starken Vorjahresquartal und das schwierige Marktumfeld. Am deutlichsten zeigte sich die schwache Auftragslage in der Automobilindustrie, im 3C-Markt und Maschinenbau, vor allem im kurzzyklischen Geschäft. Lebhafte Nachfrage herrschte weiterhin im Bereich der Logistikautomation, und auch die automobiltechnischen Lösungen des Geschäftsbereichs waren nachgefragt. Regional betrachtet, verzeichneten Europa und der amerikanische Kontinent Zuwächse, während die Region AMEA, insbesondere China, ein schwaches Ergebnis erzielte. Der Auftragsbestand lag bei Quartalsende 10 Prozent über dem Vorjahreswert (8 Prozent in US-Dollar). Der Umsatz ging um 3 Prozent zurück (9 Prozent in US-Dollar). Die operative EBITA-Marge sank gegenüber dem Vorjahr um 260 Basispunkte auf 12,3 Prozent. Gründe hierfür waren Volumenrückgänge und ein ungünstiger Mix.

Fortschritte bei den Geschäftsbereichen und der Transformation im 2. Quartal 2019

Die vier Geschäftsbereiche von ABB haben am 1. April 2019 in der neuen Struktur ihre Tätigkeit aufgenommen. Sie treiben das Wachstum weiter voran, wobei ein Schwerpunkt auf dem Kosten- und Portfoliomanagement liegt.

Die Umstellung auf das neue Betriebsmodell schreitet voran. Im Berichtsquartal wurden die Konzernfunktionen Marketing and Sales, Operations und Services in die Geschäftsbereiche integriert. Darüber hinaus hat ABB in Übereinstimmung mit lokalen Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen den Transfer von auf Länderebene bestehenden Ressourcen eingeleitet.

ABB rechnet als Ergebnis der Umsetzung von ABB-OS mit jährlichen Kostensenkungen (Run Rate) von rund 500 Millionen US-Dollar im gesamten Konzern. Das Unternehmen erwartet das für 2019 gesetzte Einsparungsziel von 150 bis 200 Millionen US-Dollar (Run Rate) zu erfüllen. Die gesamte geplante Kostensenkung soll 2021 erreicht werden.

Die Arbeiten zur Ausgliederung des Stromnetzgeschäfts laufen. Rund zwei Drittel der notwendigen rechtlichen Strukturen wurden bereits errichtet. Gleichzeitig machen die Teams in den Ländern und Funktionen gute Fortschritte bei der Festlegung des Umfangs und der Umsetzung der Ausgliederung im Einklang mit lokalen Gesetzen und Anforderungen. ABB geht davon aus, dass die Transaktion im ersten Halbjahr 2020 abgeschlossen wird.

Die Integration von GEIS in den Geschäftsbereich Elektrifizierung kommt gut voran. Neben anderen Maßnahmen präsentierte der Geschäftsbereich im Berichtsquartal das neue gebündelte Portfolio von ABB und GEIS und kündigte Pläne zur Optimierung der kombinierten US-Fertigungsanlagen für Mittelspannungsprodukte an.

Am 9. Juli gab ABB den Abschluss einer Vereinbarung über den Verkauf ihres Solarwechselrichtergeschäfts an das italienische Solarunternehmen Fimer S.p.A. bekannt. Mit diesem Schritt bekräftigt ABB ihr Bekenntnis zur Straffung ihres Portfolios. Die Transaktion wird voraussichtlich im ersten Quartal 2020 abgeschlossen und unterliegt verschiedenen Bedingungen. Sie soll den Geschäftsbereich Elektrifizierung auf seinem Weg in den Margen-Zielkorridor von 15 bis 19 Prozent unterstützen.

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