Die Kolumne von Bundesinnungsmeister Gerald Prinz:

Angricht´ is!

Wir stehen aktuell alle unter Arbeitsstress. Es ist gerade schwierig, Zeit für Seminare und Weiterbildungen zu finden. Schon gar nicht finden wir Zeit, uns mal in Ruhe hinzusetzen und über grundlegende Ausrichtungen oder Anpassungen für unser Unternehmen nachzudenken. Von ruhigen Familientagen oder gar Entspannungswochenenden red’ ich erst gar nicht.

JA, die Wirtschaft lebt wieder, es wird wieder investiert oder wie die Medien sagen, die Konjunktur hat angezogen. Das ist grundsätzlich ja sehr erfreulich und hilft uns, die Reserven für die nächsten wirtschaftlichen Täler zu füllen. Die Ernte muss man eben einfahren, wenn die Frucht reif ist.

Aber gerade jetzt, bei all dieser positiven Entwicklung unseres Gewerbes und dem Abarbeiten der erhaltenen Aufträge, dürfen wir nicht auf den Blick in die Zukunft vergessen. Ansonsten gibt es ein böses Erwachen, wenn die Aufträge wieder weniger werden. Wir leben gerade in einer elektrotechnisch tollen Zeit. JA – die Zukunft ist elektrisch. Als Primärenergieform wird sich der saubere Strom eher früher als später durchsetzen. Bei den größten Energieverbrauchern in unser aller Lebenswelt können wir diesen erfreulichen Trend schon erkennen. Elektrisches Heizen, in all seinen Formen, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Egal ob Fußbodenheizungen, Infrarotheizungen oder Warmwasserbereitung. Bei all diesen Formen des analogen Energieverbrauchs hat der Strom schon die Nase vorne und die größten Zuwachsraten. Die Investitionskosten beim Neubau sind viel geringer als bei herkömmlichen Systemen. Die Umweltbelastung durch elektrische Energie ist viel geringer und kann im Idealfall sogar selbst vor Ort erzeugt werden. Analoge Verbraucher wie Heizung und Warmwasser sind auch die einzig wirklich sinnvolle Nutzung der Smart Meter. Hier kann Strom, wann immer er billiger angeboten wird, gespeichert oder verbraucht werden. Die elektrische Mobilität hat auf die Überholspur gewechselt und alle großen Autohersteller beginnen, E-Mobility-Linien auf den Markt zu bringen. Auch hier kann bei billigem Strom geladen und in teureren Phasen abgeschaltet werden. Die Technologien, die Wirtschaft und die Umweltbewegung arbeiten alle für das Elektrohandwerk.

Auch eure Innung hilft mit verschiedenen Aktionen, das Thema zu euren Kunden zu bringen. Wir versuchen, die Sensibilität und die Aufmerksamkeit für STROM und dessen Anwendung beim Konsumenten zu schärfen. Das ist die Aufgabe einer echten Interessensvertretung. Regelmäßige Werbeeinschaltungen und Beiträge im Konsumentenmagazin des ORF oder anderen Hausbausendungen werden von den Innungen für euch erfolgreich produziert und ausgestrahlt. Informationsfilme und Folder zu verschiedenen Themen stehen für jeden von euch gratis zur Verfügung. Allgemeine Aussendungen für das Thema »Heizen mit Strom« sind bereits ausgearbeitet und werden von den Landesinnungen in den nächsten Monaten in einigen Probebezirken den Lokalmedien beigelegt. All diese Aktionen dienen natürlich dazu, die Nachfrage bei euch im Betrieb zu erhöhen.

Natürlich schauen wir auch auf die rechtlichen und normativen Rahmenbedingungen für euch. Bei der OIB-Richtlinie 6 sind uns ja schon erste Erfolge gelungen. Hier gilt es noch, die falschen Ansätze die elektrische Energie betreffend zu berichtigen. Ein Kampf gegen mächtige Lobbys steht uns da bevor. Ebenso müssen die neuen Technologien noch in rechtssichere Normen gebracht werden, damit jeder, der eine Anlage in Betrieb nimmt, auch sicher schlafen kann. Es ist halt ein gewaltiger Unterschied, ob ich Dinge nur verkaufe oder diese auch in Eigenverantwortung beim Kunden in Betrieb nehme. Auch hier ist echte Interessensvertretung gefragt.

Bisher konnten wir mit unserem Gewerk 3-5 % der Bausumme eines Einfamilienhauses als Elektrotechniker umsetzen. Wenn wir das Haus in einem ganzen System sehen und unserem Kunden anbieten – Eigenerzeugung von Strom, umfassendes Energiemanagement und Steuerung sowie Heizen und Warmwassererzeugung – können wir 10-15 % der Bausumme abdecken.

IHR seid der Systemanbieter. IHR habt alles in einer Hand!

Für all das wird es gut ausgebildete Elektrotechniker brauchen, die sich nicht vor einer Kundenberatung fürchten. Elektrotechniker, die aktiv auf den Kunden zugehen und beraten. Elektrotechniker, die sich nicht wieder von anderen Gewerken links überholen lassen. Erste Elektroheizungen werden bereits wieder von Installateuren angeboten. Kommt euch das nicht aus dem Bereich der PV-Anlagen bekannt vor? Seminare für Dachdecker, Installateure und Baufirmen boomen gerade. Anderen Kongress- und Seminaranbietern ist es egal, welche Gewerke ihre Informationsveranstaltungen besuchen und das Gelernte dann am Markt anbieten.

Lasst euch nicht wieder die Butter vom Brot nehmen! Geht raus zu euren Kunden und haltet Veranstaltungen, Infoabende oder Einzelberatungen ab! Eure Innung unterstützt euch dabei. Vergesst nicht – IHR seid der Schmied! Die Zukunft ist elektrisch.

 

Euer BIM Gerald Prinz

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