Ehrgeiz aus Leidenschaft – das erfolgreiche Familienunternehmen Theben vereint das Beste aus Tradition und Innovation. (Bild: Theben AG)

MMM – Menschen, Marken, Motive, Teil 5: Das Exklusivinterview mit dem Vorstandsvorsitzenden Paul Sebastian Schwenk von Theben:

100 Jahre Mut und Ehrgeiz

Auch im neuen Jahr haben wir wieder ein aufschlussreiches und informatives Interview im Zuge unserer MMM-Exklusivreihe für Sie geführt: Den Auftakt für 2021 übernimmt die Theben AG – in Person von Vorstandsvorsitzendem Paul Sebastian Schwenk. Erfahren Sie hier, wie das erfolgreiche Unternehmen vor 100 Jahren startete und wie sehr der ursprüngliche Kerngedanke nach wie vor verankert ist.

Interview: Thomas Graf-Zoufal

Text: Mag. Sandra Eisner

Mut – nur drei Buchstaben, die doch so viel Bedeutung und Potenzial in sich tragen und einen Antrieb, den nur jene empfinden können, die darüber verfügen. Einer davon war zweifelsohne Paul Schwenk, der vor 100 Jahren zu einer Zeit, die in puncto Instabilität der Gegenwart doch sehr ähnelt, den Grundstein legte für das heute international erfolgreiche Familienunternehmen Theben. Zeit- und Lichtsteuerung, Klimaregelung und KNX-Gebäudesystemtechnik, Lösungen zur Digitalisierung der Energiewende – Theben entwickelt bis heute innovative Produkte rund um die Themen Energieeffizienz und Komfort. Wir baten Paul Sebastian Schwenk, Vorstandsvorsitzender der Theben AG, zum Gespräch über die hinterlassenen Fußstapfen seines Urgroßvaters, die aktuellen und künftigen Herausforderungen sowie über seine persönlichen Einschätzungen zum gegenwärtigen Wandel.

 

Paul Sebastian Schwenk lernte bereits früh von seinem Großvater einen interessierten, offenen und gelassenen Blick auf die Welt. Seit 2016 im Vorstand möchte er als Vorstandsvorsitzender seit 2020 den Mut zur Veränderung im Familienunternehmen verankern. (Bild: Theben AG)

Herr Schwenk, das Unternehmen Theben feiert in Kürze sein 100-jähriges Jubiläum. Wann genau und wie startete die Erfolgsgeschichte des Experten für KNX, Zeitschaltuhren, Präsenz-und Bewegungsmelder?

Paul Sebastian Schwenk: Das exakte Geburtsdatum ist der 22. Februar 1921 mit der Eintragung im Stuttgarter Handelsregister. Das Jubiläum stellt für uns einen wichtigen Meilenstein dar, so dient es als Ausgangspunkt für das nächste Jahrhundert in der Historie von Theben. Der Kerngedanke und das ursprüngliche Produkt sind noch immer stark verankert in unserem Gedankengut – das Schalten von Zeit und Licht wurde bereits von meinem Urgroßvater, Paul Schwenk, fokussiert, der dazu viele Produkte entwickelte. Das war uns in den letzten 100 Jahren eine stabile, konstante und solide Basis. Über die letzten Jahrzehnte hinweg haben wir uns stets weiterentwickelt, das Portfolio erweiterte sich und auch intern wurde viel in neue Technologien investiert. Was wir bereits sind und in Zukunft noch verstärkt werden wollen, ist Lösungsanbieter – gerade im Bereich Smart Energy öffnet uns unser Meilenstein, das Smart Meter Gateway, so förmlich die Tür in die Zukunft.

 

Mit welchen Produkten startete Ihr Urgroßvater, Paul Schwenk, in das Unternehmertum?

Schwenk: Er war gelernter Uhrmacher, der schließlich in einer Schaltuhrenfabrik gearbeitet hat. Seine Vorgehensweise zieht sich mehr oder weniger bis heute durch: Er hat das Produkt optimiert bzw. perfektioniert und den sogenannten Treppenlichtzeitschalter entwickelt, auch beim Thema Schaufensterbeleuchtung war er aktiv. Nachdem er seinen Mut und sein Erspartes zusammengefasst hat, startete er in die Selbstständigkeit mit dem Treppenhauszeitschalter.

 

Paul Schwenk wurde 1889 geboren und machte eine Ausbildung zum Feinmechaniker bei einem Turmuhr-Hersteller. Nach einigen Jahren bei einer Stuttgarter Firma und der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg entwickelt er eigene Zeitschaltuhren und machte sich 1921 selbstständig. Sein Fleiß und seine Innovationen ließen das Unternehmen schnell wachsen. 1944 verstarb er nach längerer Krankheit. (Bild: Theben AG)

Zu dieser Zeit – der Erste Weltkrieg war vorüber, die Spanische Grippe sorgte für Panik in ganz Europa, die finanzielle Lage entwickelte sich in Richtung Hyperinflation – bedurfte es offensichtlich einer ordentlichen Portion Mut, den Weg in die Selbstständigkeit einzuschlagen…

Schwenk: Davon gehe ich aus, schließlich kam er nicht aus Unternehmerverhältnissen. Nach dem Start in einer kleinen Hinterhofwerkstatt wuchs der Betrieb in den 1920er-Jahren gut. Mit 30 Mitarbeitern wurden Schaltuhren fabriziert, bis schließlich ein großes Haus in Stuttgart gekauft wurde als erstes Fabrikgebäude. Um sich den Unruhen des Zweiten Weltkriegs ein Stück weit – so gut als möglich – zu entziehen, folgte der Umzug aus der Stadt aufs Land, nach Haigerloch. Nach dem frühen Tod meines Urgroßvaters im Jahr 1944 bedurfte es des Muts meines Großvaters – Paul Eberhard Schwenk – der zu diesem Zeitpunkt erst 19 Jahre alt und verwundet aus dem Krieg zurückgekehrt war. Er wollte nicht vordergründig Unternehmer werden, seine Ambitionen wurzelten eher im kreativen/musischen Bereich, doch spürte er die Verantwortung und entschloss sich dazu, das Unternehmen aufrechtzuerhalten. Der Betrieb war nach dem Krieg auf eine minimale Größe geschrumpft, letztendlich ging die Produktion mit drei Personen wieder los. Beim wirtschaftlichen Aufschwung rund um die 1950er-Jahre war das Unternehmen zur richtigen Zeit mit den richtigen Produkten am richtigen Ort. Deutschland blühte auf und Theben hatte die passenden Lösungen für das Thema Schaufensterbeleuchtung, auch im ländlichen Raum wurden die Elektrizität, der Komfort wieder verstärkt nachgefragt und so entfaltete sich die Erfolgsgeschichte von Theben auch über die kommenden Jahrzehnte neu. In den 1970er-Jahren entschied sich mein Großvater für den Erwerb des Schlosses in Haigerloch, wo schließlich ein Zentrum für Kommunikation, Kunst und Kreativität entstand, aber auch ein Ort der Begegnung mit Restaurant und Hotel.

 

Wann sind Sie in das Unternehmen eingetreten?

Schwenk: Ich startete im Jahr 2005 im Aufsichtsrat, zu dieser Zeit habe ich noch studiert. Nach Beendigung meiner Ausbildung und dem Sammeln eigener unternehmerischer Erfahrungen bin ich Anfang 2016 bei Theben eingestiegen. Nach dem frühen Tod meiner Mutter im Jahr 2001 war ich als Einzelkind mit meinen 20 Jahren sehr bald mit dem Unternehmen und mit Verantwortung konfrontiert. Ich befand mich im sprichwörtlichen »kalten Wasser«, doch mein Ehrgeiz hat sich entwickelt und ich kann heute sagen, dass Schicksalsschläge, wenn man es richtig anpackt, auch positiv wirken können.

 

Paul Eberhard Schwenk übernahm 1945 als 19-Jähriger nach dem Tod des Vaters Verantwortung für das Unternehmen. Es verdankt ihm mit seinem strategischen Denken, seiner Energie und seiner Entschlusskraft eine nachhaltige Erfolgsgeschichte. 1976 nahm er sich die Freiheit, auch als Schlossherr und Kunstförderer Spuren zu hinterlassen, die seinen Tod 2005 überdauern. (Bild: Theben AG)

Wir stehen weiterhin vor Zeiten massivsten Wandels in vielen Bereichen. Gibt es konkrete Angebote an Theben zwecks Übernahme und wenn ja, wie denken Sie darüber?

Schwenk: Wir sind ein Unternehmen mit Tradition, Historie und einer sehr stabilen und gesunden Basis. Das wird natürlich auch von außen erkannt sowie das noch schlummernde Potenzial hinsichtlich der Zukunft. Es gibt sehr wohl Angebote von Investoren, aber auch von Unternehmen aus unserer Branche, die jetzt die richtigen Partner suchen, um in die Bereiche Smart Energy, smarte Infrastruktur, smarte Städte etc. mithilfe unseres Know-hows hineinzuwachsen. Bisher haben wir keinen Bedarf an derartigen Interessen, dennoch sind wir als Theben im Vergleich zur Größe der Mitbewerber in einer Nische und die Frage ist, wie wir gesund wachsen oder eben dieser Nische entwachsen können. Ich kann nicht versprechen, dass wir in zehn oder zwanzig Jahren noch immer das unabhängige, solide, gut durchfinanzierte und erfolgreiche Familienunternehmen sind. Es kann sein, dass irgendwann ein Moment kommt, wo es notwendig wird, Partnerschaften/Kooperationen einzugehen. In meiner Familie ist es keine Bürde, es gibt keine Generationenverpflichtung – alle sollen sich dem widmen, was sie erfüllt, vor allem sollen sie leben. Ein Motto meines Großvaters war es, das Leben und sich selbst nicht so ernst zu nehmen – im besten Fall verlässt man die Welt ein bisschen besser, als man sie angetroffen hat. Findet man die Kraft dazu, so bewegt man Dinge – das muss jedoch nicht zwingend im unternehmerischen Umfeld sein – und mit diesem Antrieb bin auch ich gestartet: aus Theben mit unserem Wertegerüst und der richtigen Strategie gerne das Maximale rauszuholen an Performance, Wachstum und Technologie.

 

Wenn Sie sich auf die kommenden Jahre einstimmen – was empfinden Sie beim Gedanken an die unmittelbare Zukunft? Bauchschmerzen oder Tatendrang?

Schwenk: Es ist Tatendrang, gepaart mit Respekt. Wir haben genügend Schlagkraft und investieren sehr viel im Rahmen unserer Möglichkeiten. Innerhalb der letzten drei Monate haben wir 20 neue Mitarbeiter eingestellt und vergrößern so unser Know-how im Bereich Technologie, aber auch auf der Vertriebsseite wollen wir neue Wege gehen. Es gibt große Themen in unserem Fokus, die wir bespielen wollen und können, vorwiegend im Bereich Smart Energy, Smart Building und was die zu schlagende Brücke dazwischen betrifft. Wir haben das Smart Meter Gateway entwickelt, das den Ursprung in einer deutschen Initiative hat, jedoch auch in den Nachbarländern mit großer Aufmerksamkeit beobachtet wird – schließlich sind die Energiewende und die Klimakrise keine rein deutschen Phänomene. Es bietet sich hier eine große Chance für die deutsche Industrie, die eine Vorreiterrolle einnehmen könnte für ein hervorragendes Exportprodukt, das auf der ganzen Welt eine tragende Rolle spielt. Wenn wir als Theben ein kleiner Teil davon sein können mit einem Gateway für die sichere Kommunikation von Messwerten, Anwendungen, Mehrwerten, dann habe ich große Lust auf die Zukunft. Wir wollen mit unserem Gateway bzw. der Mehrwertplattform der »App-store« der Energiewelt werden, wir möchten vielen verschiedenen Branchen einen sicheren Zugang ins Gebäude sowie aus dem Gebäude raus in die Infrastruktur bieten und dementsprechend haben wir beste Voraussetzungen.

 

Theben macht sich nach der Gründung 1921 mit innovativen Zeitschaltuhren schnell einen guten Namen. Weil sie Energieeinsparung, Komfort und Sicherheit kombinieren und von hoher Qualität sind, wächst das Unternehmen schnell. 1928 bezieht es in Stuttgart eigene Räumlichkeiten und beginnt mit dem internationalen Vertrieb. Der 1934 patentierte Treppenhausautomat »Elpa« begründet eine wegweisende Produktserie. (Bild: Theben AG)

Über welche Produktsortimente, welches Portfolio definiert sich Theben?

Schwenk: Wir haben seit 100 Jahren mit Energie zu tun im Sinne von Zeitschaltuhren, also verschiedene Tarife energieeffizient schalten zu können. Ab den frühen 1990ern kam das Thema KNX hinzu, Theben war eines der Gründungsmitglieder und hat sehr früh an diesem Standard mitentwickelt. Im Bereich der Wohnkomfortsteuerung war »Luxor« 2003 bereits eine Entwicklung von Theben, bevor der Begriff »Smart Home« an sich geprägt war. Es wurde bereits damals mit der Intention entwickelt, es dem Installateur zu vereinfachen, seinen Kunden ein automatisiertes, komfortables Gebäudesystem zu verkaufen. Als kleines Unternehmen ist es schwierig, an den Endkunden heranzukommen und ihn zu überzeugen. Es folgte dann der Bereich »Detection Lighting« in den 2000er-Jahren, was eine schöne Ergänzung und logische Erweiterung unseres Portfolios war mit dem Thema Präsenzmelder/Bewegungsmelder.

 

Über Jahrzehnte hinweg hat der dreistufige Vertrieb sehr gut funktioniert. Durch den Onlinehandel und unterschiedliche Vertriebsstrukturen steht der Großhandel nun vor neuen Herausforderungen, Leistung zu bieten bei gleichzeitig sinkenden Spannen. Wie gehen Sie um mit dem notwendigen Wunsch nach Konsumentenkontakt und der Verhinderung dessen durch den dreistufigen Vertrieb?

Schwenk: Das ist eine gute Frage, die innerhalb der Branche viel diskutiert wird. Wir stellen uns dem, so gut es geht, wir lernen fortlaufend dazu. Als Hersteller muss uns wichtig sein, dass unser Kunde/unsere Zielgruppe unsere Marke kennt, in sie vertraut und sie kauft. Wo der Erwerb stattfindet, muss für uns letztendlich zweitrangig sein. Für den Großhandel wiederum ist es wichtig, dass der Kunde/Installateur bei ihm kauft, unabhängig davon, auf welches Produkt die Wahl fällt. Ich glaube, es tut der ganzen Branche und auch dem Großhandel gut, dass man angesichts des Drucks beobachten und überdenken muss, wie andere Plattformen verkaufen – mit welcher Intelligenz in den Daten, mit welcher Kundennähe. Ich meine, es gibt aus dem Umstand, dass die Branche von neuen Playern oder Strukturen aufgemischt wird, viel zu lernen. Letztendlich muss man sich hinterfragen und überlegen, wie die Unternehmen, die die letzten 10 bis 20 Jahre einen derartigen Wachstum verzeichneten, vorgegangen sind. Da wurde sicher nicht mit 50 Jahre alten Strukturen gearbeitet, es wurden Dinge grundsätzlich in Frage gestellt. Wir als Theben sind ein kleines Unternehmen, verglichen mit anderen in der Branche, und können nicht vorauspreschen, denn dann besteht die Gefahr, dass wir uns ins eigene Fleisch schneiden, aber natürlich versuchen auch wir, Pläne zu entwickeln, Gehversuche in alle möglichen Richtungen zu machen, um die Algorithmen zu verstehen, die im Onlinehandel wichtig sind. Aus meiner Sicht macht es für Theben keinen Sinn, einen großen Webshop zu etablieren, weil wir in einer Nische sind. In Einzelbereichen wird dies aber kommen und die Schnittstelle, wo der Kunde bestellt, muss sicherlich in der Branche erst richtig definiert bzw. mit Leben gefüllt werden, ansonsten hat der klassische Großhandel einen höheren Druck als die Industrie, nachhaltig sein Überleben zu sichern.

 

Kunststoff gewinnt in den 1970er-Jahren ebenso an Bedeutung wie die Elektronik. In Zeitschaltuhren zunächst in Form von quarzgesteuerten Schrittmotoren anstelle von Federwerken. Der 1976 vorgestellte »theben timer« wird ein riesiger Erfolg, ebenso wie weitere innovative Produkte mit Mikroprozessor-Technologie. (Bild: Theben AG)

Gibt es konkrete Überlegungen diverser deutscher Unternehmen, sich zu einer Konsumentenplattform zusammenzuschließen oder kocht jeder weiterhin sein eigenes Süppchen?

Schwenk: Es gibt verschiedene Netzwerke, wir sind im Moment allerdings in keinen Bündnissen vertreten. Wir gehen noch Hand in Hand mit dem Großhandel, dieser Kanal funktioniert ja, er ist gut ausgelastet und macht sein Ding. Mit einem Generationenwechsel werden auch dort Veränderungen eintreten, es ist ja heute bereits ersichtlich, dass rund 20 % der Onlineeinkäufe von Installateuren (in Deutschland) mittlerweile auf anderen Plattformen getätigt werden. Es ist schwierig, in verschiedenen Märkten mit der richtigen Strategie unterwegs zu sein und in Bezug darauf sind wir bisher als traditioneller und kleiner Hersteller mit den Großhandelsverbänden gut gefahren, weil sichere Strukturen und Kanäle geboten wurden, über die man verkaufen konnte. Würden wir uns davon lösen, müssten wir massiv in das Thema Vertrieb – Onlinehandel, Logistik, Außendienst, eigene Töchtergesellschaften in verschiedenen Ländern mit eigener Logistik etc. – investieren.

 

Das Thema »Messe« wurde letztes Jahr von der Pandemie überrollt. Wie gestaltet sich aus Ihrer Sicht die Zukunft in diesem Bereich?

Schwenk: Eindeutig hybrid. Wir als Theben wollen es schaffen, die Nähe zum Kunden zu finden, aber ihn nicht immer persönlich treffen zu müssen. Ich glaube, einige Messen haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Wir sind ein sehr menschennahes und zugängliches Unternehmen, wir sind offen, transparent, wir leben von menschlichen Begegnungen und das möchte ich auch weiterhin pflegen – die persönlichen Treffen mit guten Gesprächen fehlen mir sehr wohl, weil der digitale Bereich hierzu einfach keinen Ersatz bieten kann. Wir brauchen beide Welten und lernen täglich dazu, wie man sich online besser präsentiert, welche Relevanz Webinare usw. haben. Neuheiten wirklich zu »erleben«, ist meiner Meinung nach nur physisch möglich und dazu braucht es Leitmessen bzw. international relevante Messen. Es bedarf einer Plattform, wo Neuheiten erlebbar gemacht werden, wo wir als Theben unsere Strahlkraft physisch zeigen können. Ich habe letztes Jahr gute hybride Formate erlebt im Veranstaltungsbereich. Man spart sich durchaus zeitaufwändige Reisen und die Qualität leidet nicht, aber für andere Bereiche sind Messen durchaus notwendig.

 

Theben wandelt sich vom Komponentenhersteller zum Systemanbieter für intelligente, komplette Gebäudesteuerungslösungen. Unter anderem mit dem Feldbus-Standard KNX, der Wohnkomfort-Steuerung Luxor und dem Kauf des Präsenzmelderpioniers HTS. Ein Meilenstein ist das 2020 zertifizierte Conexa 3.0 Performance Smart Meter Gateway für den intelligenten digitalen Datenaustausch im Energiebereich. (Bild: Theben AG)

Gibt es beim Thema Technologie in der unmittelbaren Zukunft bei Theben einen Puzzlestein, der noch fehlt?

Schwenk: Wir feilen – aber das noch in Grundzügen – am Thema digitales Geschäftsmodell: Wie können wir unsere Produkte heute schon generieren, wie kann man aus Daten Mehrwerte ableiten, wie daraus neue Produkte, neue Technologien entwickeln? Deswegen finden/fanden auch die vorhin angesprochenen Investitionen in neue Mitarbeiter statt, um gerade im digitalen Bereich sattelfest zu werden und vielleicht mittelfristig auch eine neue Business Unit zu gründen. Solche Themen stehen an, sie kosten viel Aufwand, Kraft, Zeit und Geld – und so haben sich schon deutlich größere Unternehmen blutige Nasen geholt bei etwa einer Plattformentwicklung. Deshalb wollen wir behutsam aber entschlossen vorangehen. Erste Gehversuche werden wir sicher über das Smart Meter Gateway machen können. Damit sind wir im Markt Smart Energy gut etabliert und in der Gebäudeautomation haben wir bereits 30 Jahre Erfahrung im Bereich KNX. Um diese Welten zu verbinden, dafür sind wir willkommene Gesprächspartner, denn es bedarf dieser Schnittstelle ins Gebäude oder aus dem Gebäude raus als sicheren Datenkanal. Im Bereich Smart Energy sind wir der einzige von vier deutschen Herstellern, der auch im Gebäude zuhause ist und in der Gebäudeautomation der einzige, der auch ein Smart Meter Gateway bietet. Das ist jetzt sehr deutsch gesprochen, aber im Ausland wird unsere dadurch aktuell einmalige Stellung mit Interesse beobachtet und es kommen mehr und mehr Anwendungsfälle aus den angrenzenden Staaten. Das Thema Mehrwerte und Energiemanagement in Gebäuden hat eine hohe Priorität. So werden wir erste Gehversuche machen mit dem Bereich digitales Daten- und Geschäftsmodell, um schließlich zu sehen, wie weit man es ausrollen kann. Im Produktbereich wird ein Kontrastsensor eine Neuheit sein, der anstatt eines Präsenzmelders an der Decke installiert wird und mit einer Linse Personen erfassen bzw. Bereiche definieren kann. Über eine App kann der Erfassungsbereich in Zonen eingeteilt werden. Um weiterhin wachsen zu können, wollen wir nach wie vor anerkannter Partner von den großen Playern sein. Die Kombination aus Produkt und Kompetenz im Bereich Datenverarbeitung sehe ich für uns als eine große Chance, aber auch als Notwendigkeit für unsere Weiterentwicklung. Wir sind zwar eine starke unabhängige Marke, aber auch offen in alle Richtungen für Partnerschaften und gemeinsame Entwicklungen.

 

Herr Schwenk, vielen Dank für das Gespräch!

 

Weitere Informationen auf:

www.theben-ag.at

www.theben.de

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